Die realitätsentfremdete Träumerin

Man nennt mich nun auch Miss Wunschdenken, Illusionistin, realitätsentfremdete Träumerin. Immer noch vollkommen blind, mit dem Herzen eines Kindes in der Brust.

Mein Notendurchschnitt ist sogar noch besser als erwartet. Mein Kopf ist voller Zukunftsträume und Wünsche. Und irgendwie kam ich auf die dumme Idee zu glauben, dass es meine Familie und insbesondere meine Schwestern interessieren könnte. Dass sie mit mir feiern und zelebrieren könnten. Normalerweise übernachte in dann bei meiner großen Schwester. Diese ist jedoch immer weiter in ihren eigenen Zwängen gefangen und sagt sie sei zu gestresst, um sich mit meinem Besuch zu befassen und sie fühle sich unter Druck gesetzt, dass ich frage, wann ich kommen kann. Sie zählt ihre Probleme auf. Ich frage eine andere Schwester, die zwar mir gerne Obhut geben würde, aber an dem Wochenende wenn ich mein Zeugnis zuvor erhalte, zieht ihr Freund um. Bei der anderen geht es auch nicht. Ich kann sie nicht aufhalten die Tränen, die sich tief aus meinem Inneren empor stehlen. Da ist er, der unterdrückte Schmerz der Einsamkeit, der so gut verdeckt war unter dem Funktionieren und Lernen. Stimmen die flüstern, dass ich ihnen sowieso egal bin und immer war. Eine Schwester schreibt dazu, dass ich dann nicht kommen kann: „Oh, das ist aber schade!“ Meine Augen sind mittlerweile angeschwollen und ausgeweint. Es ist ein Verbrechen an mir selbst, mir immer wieder eine Familie zu wünschen, die sich für mich interessiert. Ich dachte, dass sie wenigstens jetzt mit mir etwas feiern wollen. Dass sie in meinem Leid nicht da waren… aber jetzt habe ich doch etwas vollbracht! Der kindliche Schmerz in mir zieht meinen ganzen Körper zusammen.

Ich war so dumm zu glauben, es könnte sich etwas ändern.

8 Gedanken zu “Die realitätsentfremdete Träumerin

  1. Das ist sehr traurig.
    Es ist hart, all das zu erkennen und zu fühlen.
    Man sehnt sich irgendwie immer nach Familie; Zugehörigkeit und geliebt Sein.
    Es tut mir Leid ❤

    Herzlichen Glückwunsch Dir wegen der guten Noten ❤
    Es ist eine sehr große Leistung, das trotz all der Widrigkeiten und des Leides überhaupt zu schaffen.
    Und herausragend, es dann sogar so GUT zu machen.

    Du darfst sehr froh und auch stolz hierauf sein.
    Ich bewundere dich dafür sogar, weil ich das nicht geschafft hab und Du so früh schon auf einem so guten Weg bist, dein Leben in gute Bahnen zu lenken.
    Alles Gute und dass der Abschluß direuch Wege ebnet für ein gutes Leben ❤
    Ich mag Euch sehr gerne herzlich und tröstend umarmen ❤

    Gefällt 3 Personen

    1. Danke für die lieben Worte. ❤ Das tut sehr gut, nach dieser schmerzhaften Nacht. Das Sehnen wird nie aufhören und ich werde realisieren müssen, dass ich mich zwar verändert habe, aber sie nicht. Auch wenn ich mir das noch so sehr herbei sehne.

      Gestern als ich so weinte, fand ich mich irgendwann im Badezimmer wieder und habe mir während ich geweint habe fest im Badezimmerspiegel in die Augen geschaut und mir selbst gesagt, dass ich sowas nicht verdient habe. Ich denke jetzt an das Leben, was vor mir liegt und die Möglichkeiten. Ohne sie weiterhin und in einer anderen Stadt.

      Dieser Schmerz wird vielleicht nie ganz vergehen, aber das drumherum wird besser. Das ist es ja auch schon. 🙂
      Ich bin auch sehr stolz auf mich und es tut sehr gut, das zu lesen. ❤

      Allerliebste Grüße!

      Gefällt 2 Personen

  2. Erstmal HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zu Deiner Wunscherfüllung! Zu Deinem Abschluss!

    Versuche Dich ein wenig in dem Gefühl zu baden, dass Du Dein Ziel Für Dich erreicht hast. Leider kenne ich die von Dir beschriebenen Gefühle. Ein großer Teil meiner Familie reagierte damals nach Abschluss des Abendgymnasiums und des Studiums genauso wie Deine. Das hatte mich auch sehr verletzt. Und wenn ich mich hineinbegebe in die Erinnerung schmerzt es immer noch. Aber eigentlich – dieser Schmerz in mir ist viel älter, die Ablehnung, das Gefühl nicht gewollt zu sein, nichts gut genug machen zu können, egal wie sehr ich mich angestrengt habe. Einfach niemals zu genügen.

    Vllt. sind unsere Erfahrungen mit solchen Familien, auch die neueren Erfahrungen, immer nur eine Reaktivierung der bisherigen schmerzhaften Erfahrungen…

    Mir ging es ein bisschen besser, als ich mit ein paar Freunden darüber sprach und sie mir das Gefühl gaben, dass sie stolz auf mich sind. Und irgendwie war ich es ja auch selbst, ich meine Stolz. Und das kannst Du auch sein!

    LG Nicole

    Gefällt 4 Personen

    1. Danke! :))) Ich konnte meinen Augen auch kaum trauen, als ich meine Noten sah. Ich war überglücklich! Dieser Schmerz ist trotzdem einfach heftig. Nichtsdestotrotz werde ich mich jetzt weiterhin in die Uni-Bewerbungen reinhängen und nach guten Beschäftigungsmöglichkeiten in der freien Zeit suchen. Die freie Zeit jetzt überfordert mich und lässt irgendwie auch wieder Zeit zu, um zu grübeln. Gerade habe ich mich auf einer Plattform für Katzensitting angemeldet. 😀 Mal sehen, was daraus wird.

      Ich denke es ist aber auch sehr menschlich, sich nach Anerkennung, Liebe und gesehen zu werden zu sehnen. Kein Wunder, dass es für uns beide immer wieder schmerzhaft ist und war, solche Enttäuschungen zu machen.

      Danke für deine Worte! 🙂

      Gefällt 2 Personen

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