Ich kann meine Wohnung tauschen?!

Ich bin gerade völlig überwältigt und erschöpft. Der Verein meldete sich Mitte der Woche bei mir und sagten, dass sie mir nicht direkt helfen könnten, aber gaben mir Lösungsvorschläge. Einer davon war, dass ich durch die Wohnungsgenossenschaft, bei der ich bin, ich mich auf einem Tauschportal anmelden kann. Und meine Hoffnung war es, vielleicht einen Mann zu finden, der eine schöne Altbauwohnung hat und der vielleicht nicht so sensibel auf die Geräusche meiner Wohnung reagiert. Man darf ja noch träumen. ich meldete mich also dort an mit dem Gedanken, dass da vermutlich ewig dauern würde. Am nächsten Tag wachte ich auf, mit einer Anfrage zur jeweiligen Besichtigung. Seine Wohnung liegt in einem Stadtteil, den ich sehr mag und sein Bruder wohnt nicht weit entfernt von meiner Wohnung. Mit diesem Bruder hat er zusammen einen Hund, wie ich erfuhr. Als ich den schönen Innenhof des Altbaus betrat, saß auf einem Fenstersims eine Katze, die mir zu lächelte. (Ehrlich, sie hat gelächelt) Die Wohnung ist schön, aber renovierungsbedürfig. Also es muss gestrichen werden, wofür er aber verantwortlich ist, sollte es zu einem Tausch kommen. Die Wohnung ist im Hinterhof und dadurch ruhiger gelegen. Die Wohnung kostet nur 10 Euro mehr als meine jetzige Wohnung und hat zwei Zimmer. Dann würde es eine Ausweichmöglichkeit geben, falls es auch dort komische Nachbarn gibt. Er hat meine Wohnung auch gerade besichtigt und wäre bereit zu einem Tausch. Als nächstes wird nun die Wohnungsgenossenschaft, der unsere beiden Wohnungen angehören, verständigt. Ich kann das gerade alles noch nicht realisieren. Wir rechnen mit 2 Monaten bis alles geregelt und seine Wohnung renoviert ist. Bitte bitte, das hat so gut angefangen. Bitte bitte lass es klappen und mich auch mal Glück haben lassen.

Was wäre wenn

Mit 17 Jahren war ich das erste mal richtig verliebt. Und damit meine ich diese Liebe, die man aus Filmen kennt. Es traf uns unerwartet und heftig. Teenie-Liebe, nächtelange Telefonate, kichern, immer bei einander sein wollen und Schmetterlinge in jeder Faser meines Körpers. Ich kannte ihn schon seit der 5. Klasse. Doch erst nach meinem Schulwechsel, viele Jahre später, verknallten wir uns. Seine und meine Realitäten hätten nicht weiter von einander entfernt sein können. Er war mittlerweile auf eine Privatschule gewechselt, hatte liebevolle Eltern und ein behütetes zu Hause. Dort zog ich dann auch quasi für ein Jahr ein. Ich war froh nicht zu Hause sein zu müssen und meinen Eltern war es anscheinend auch Recht. Er und ich verstanden damals nicht, was mit mir los war. Warum es mir häufiger so plötzlich schlecht ging, oder mich sehr irrational und wechselhaft verhielt. Das machte dieser jungen Liebe sehr zu schaffen. Heute weiß ich, dass er sich immer fragte, was mit mir los war und warum ich so wenig über meine Familie oder mein Leben redete. Warum er nie bei uns zu Hause war, sondern wir immer nur bei ihm. Er prallte gegen eine Mauer, die ich brauchte um zu überleben. Ich verstand mich ja selbst nicht einmal. Mit dieser Zeit verbinde ich die glücklichsten Momente meines ganzen Lebens und ich bin sehr froh, solch eine Liebe erlebt haben zu dürfen. Doch auch diese hatte einen bitteren Beigeschmack. Unsere Beziehung endete sehr tragisch, durch meine Bindungsstörung und dem weglaufen müssen. Ich KONNTE nicht bleiben. (Könnte ich vermutlich nicht mal heute) Durch meine sexuellen Traumata hatte ich überhaupt keine Grenzen und weiß heute, dass selbst mit ihm Dinge geschahen, die nicht okay waren. Dass ein „nein, ich will das nicht“ nicht zählten. Selbst heute streitet es sich im meinem Kopf darüber, ob er nun ein „guter“ ist, „böse“ oder ich einfach zu täterloyal geprägt. Wir haben die Jahre über (unsere Beziehung ist nun fast 10 Jahre her) immer wieder Kontakt gehabt und konnten uns viele Jahre nach der Trennung nicht von einander lösen. Er war immer da, wenn ich ihn brauchte. Und auch als ich nicht mehr auf seine Nachrichten reagierte, hatte er Angst, dass ich mir etwas angetan hätte und war ziemlich verzweifelt. Ich kann aber bis heute nicht wirklich einordnen, was nun zu dieser Zeit war. Ich würde es gerne als einzig wunderschöne Liebesgeschichte sehen. Lange Zeit wusste ich aber auch nicht, dass es nicht okay ist, wenn jemand etwas macht, obwohl man sagt, dass man es nicht will. Ich hielt es für normal. Auch gerade jetzt fällt es mir schwer, das mit ihm in Verbindung zu bringen. Es kommen zurzeit viele Erinnerungen ganz unwillkürlich zurück. So detailliert, dass ich denke, das kann doch nicht sein. Schöne Erinnerungen, wie ein Kuss auf seine Wange in der 6.Klasse, bei orangen Schließfächern in der Schule. Er bestätigte und ergänzte diese Erinnerung. Er fragte mich auch, ob ich mich damals gut, oder schlecht oder ungerecht behandelt gefühlt habe. Darauf konnte ich nicht antworten. Er erzählte, dass er so eine Art Schwur hat, immer für mich da zu sein, wenn es bei mir richtig ernst wird. Er erklärt es damit, dass er nie aufgehört hat an mich zu denken oder zu glauben. Im Gegensatz zu anderen Exfreunden von mir hat ein keine narzisstischen Züge und ist ziemlich sensibel. Ich frage mich, ob er vielleicht ein schlechtes Gewissen hat. Aber das ist eben nur Spekulation. Für manche Menschen mag es vielleicht paradox erscheinen, dass ich sage, dass ich zu dieser Zeit die schönsten Momente meines Lebens erlebt habe. Doch so ist es. Es ist manchmal so viel komplexer, als es scheint.

Er hat mittlerweile eine neue feste Freundin. Auf Facebook sieht man ein schönes schwarz/weiß Foto der beiden, sehr schick angezogen. Er ist für sein Alter beruflich schon sehr weit und erfolgreich, führt wieder mal ein ganz anderes Leben als ich. Manchmal frage ich mich, was wäre, wenn ich nicht davor weggelaufen wäre. Oder ob der Preis für die glücklichen Momente ist, Sachen auszuhalten, die man nicht will. In Verdrängung war ich schon immer gut. Denn zurzeit habe ich so gut wie gar keine Beziehungen und lebe nur so vor mich hin. Gehe arbeiten und beame mich mit Serien und Dokus aus der Realität. Das lässt mich vergessen, dass ich selbst nichts wirklich erlebe und lässt mich auch meine Einsamkeit nicht spüren. Weder schöne noch schlimme Momente. Ich lebe in einer Blase, zu der nichts wirklich durch dringt. Hier bin ich sicher, doch das Leben in dieser Blase ist sehr beschränkt. Es dringt weder etwas durch, noch nach außen. Hier bin ich zwar sicher, doch es passiert auch nichts, was lebenswert oder von Bedeutung wäre. Es gibt keinen Menschen, der mir gerade so viel bedeutet, wie er damals. Im Leben geht es doch aber um Beziehungen? Doch ich lebe nur in dieser kleinen Blase.

Dieser Körper

Warum fällt es nur so schwer diesen Körper zu mögen, ja gar zu lieben? Heute lehne ich ihn wieder so sehr ab. Könnte weinen, weil ich ihm nicht entfliehen kann. Warum ist es nur so schlimm, mehr Brust zu bekommen, sobald man zunimmt? Bei anderen Frauen finde ich Brüste doch auch schön. Nur bei mir würde ich sie am liebsten entfernen. Sobald etwas weicher und fraulicher wird, fange ich an, mich vor mir selbst zu ekeln. Ich wäre so gern eine dieser Frauen, die stolz auf ihre Rundungen ist und das auch zeigt. Mein Kopf fängt nur wieder an Pläne zu schmieden, damit die Brust wieder kleiner wird und es erträglicher für mich in diesem Körper wird. Durch Kontrolle. Seit gestern heißt es wieder „Fette sau, hat sich nicht im Griff… Na Fetti, wieder was essen? Kein wunder, dass du dich so unwohl fühlst.“ Niemals würde ich so mit jemand anderem reden. Warum fällt es nur so schwer in diesem Körper zu Hause zu sein?

Fühlt sich wie fliegen an

Oder was dem auf jeden Fall für mich sehr Nahe kommt. Durch das Fahrradfahren, wusste ich ja schon, dass mir das Fahren ein Gefühl von Freiheit gibt. Deswegen gibt es auch immer nur ein Tempo: Schnell. Allem davon düsen und den Wind in den Haaren spüren. Ich kam spontan auf die mir über Ebay-Kleinanzeigen gebrauchte Inliner zu organisieren, um zu schauen, ob auch dort dieses Gefühl entsteht. Das tut es, und wie! Ich war überrascht wie gut es klappte, obwohl ich das letzte Mal als Kind fuhr. Immer mehr finde ich heraus, was mir Spaß macht und gut tut.

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Ich kann einfach nicht mehr

Diese Wohnsituation raubt mir den letzten Nerv. Ich sitze gerade mit Ohropax in den Ohren auf meinem Bett und selbst zum Weinen bin ich viel zu erschöpft. Heute Nacht habe ich ungefähr zwei Stunden geschlafen, war arbeiten und wollte mich dann ausruhen, bis ein Ärztemarathon los  ging (Neurologin und Endometriosezentrum). Doch während meiner Mittagspause war an Ruhe nicht zu denken. Mein Nachbar und seine neue Freundin scheinen immer da zu sein und da die Wohnung auch nur ein Zimmer hat, so wie meine, bekomme ich ihr Leben aus diesem Raum mit. Alles. Und wieder mal wurde der Hund angeschrien, der bellte. Abwechselnd von ihm und von ihr. Jetzt gerade bin ich zurück und sie scheinen eine Art Party zu machen mit Brettspielen und Musik. Ich kann einfach nicht mehr. Diese Wände sind so hauch dünn, es ist als wäre ich mit dabei und will es einfach nicht. Was ich brauche ist Ruhe. Ruhe in meinem eigenen Raum, damit ich die Anforderungen des Tages irgendwie verarbeiten kann. Zur Ruhe kommen kann ich hier nicht. Die Ohropax tun immer irgendwann weh. Ich wünschte ich hätte noch ein zweites Zimmer in das ich ausweichen könnte. Es fühlt sich an wie ausgeliefert sein, denn es gibt keine Ausweichmöglichkeit. Gestern schrieb ich aus Verzweiflung dem Verein, über den ich die Wohnung vermittelt bekommen habe. Heute erhielt ich eine Antwort, dass sie das im Team beraten wie sie mir helfen können und sich wahrscheinlich nächste Woche melden. Um ehrlich zu sein überlege ich gegen Ende des Monats zu kündigen. So sehr nagt es an meinen Nerven. Aber es war so schwer überhaupt in meiner Situation an diese Wohnung zu gelangen. Von den massiven Existenzängsten und Angst vor Wohnungslosigkeit mal ganz abgesehen. Schaffe ich das nochmal? Gerade hab ich das Gefühl keins von beidem zu schaffen. Weder hier leben, noch umziehen. Aber irgendwohin muss ich ja. Mir ist nach weinen zumute. Ich kann einfach nicht mehr. Ich will meine Privatsphäre wieder. Und vor allem was für Energie von drüben rüber schwappt. Der andere Mann, dessen Wohnung an eine andere Wand meines Zimmers grenzt ist wesentlich ruhiger und hat eine Tochter, die auch laut ist, was mich aber gar nicht stört. Ich weiß gerade einfach nicht was ich tun soll. Ich schaffe das mit der Arbeit und (hoffentlich bald) Schule nicht, wenn ich keinen Raum habe in dem ich wieder Energie tanken oder lernen kann. Vielleicht kündige ich, wenn ich eine Zusage der Schule bekomme. Ich kann einfach nicht mehr.

Ein anderer Umgang mit Gewichtszunahme?

Das Wort Gewichtszunahme sorgt im Hause Mondmädchen immer für viel Scham und Gedankenkreisen, sowie Gefühle wie Ekel vor dem eigenen Körper und das Gefühl von Kontrollverlust. Die Stimme einer langen Essstörung und massive Auswirkungen auf mein eigenes Körperbild. Durch die Traumatherapie kenne ich mittlerweile ihren Ursprung. Damit hatten meine Therapeutin und ich sehr zu hadern. Ich erinnere noch, dass wir uns nach der Stunde über Nachrichten noch austauschten, weil wir beide so erschüttert über das waren, was wir zuvor herausfanden. Auch wenn es von außen betrachtet mittlerweile eher so scheint, als würde ich einfach sehr gesund um mit mehr Bedacht essen. Ich nenne es „quasi Recovery“ eine Tür direkt zu essgestörtem Verhalten und Denken ist immer offen. Ich kann diese Tür nicht schließen. Nicht mit aller Willenskraft. Etwas davon sickert immer durch. Mal mehr, mal weniger. Und sie ist auch ein Symbol. Ein Aufschrei meiner Psyche die sagt „hier stimmt etwas gewaltig nicht“. Nur richtet sich das dadurch wieder mal an meinen Körper. Was ich nicht fair finde, da dieser schon so viel durchmachen musste. Aber Fairness ist nichts, was eine Essstörung kennt. (Oder rationales, logisches Denken)

Im Winter gab es einen Rückfall, bei dem ich wieder ins Untergewicht abrutschte. Dieses Gewicht habe ich mittlerweile wieder aufgeholt, womit meiner Therapeutin sehr zufrieden ist. Es macht mich stabiler aus therapeutischer Sicht. Was zukünftig die Traumatherapie angeht, meine generelle Belastbarkeit und auch die Arbeit. Ich brauche zurzeit so viel Kraft, wie ich nur kriegen kann. Und die gibt es in Form von Nahrung. Welch Überraschung oder? Wie gesagt, eine Essstörung ist alles andere als logisch, sondern gerade bei mehr Belastung tauchen vermehrt auch Essstörungsgedanken und Verhalten auf. Meine Art um Gefühle schwierige Gefühle zu regulieren.

Mir ist heute aufgefallen, dass es mir bei jeder Mahlzeit noch sehr schwer fällt mir überhaupt Essen zu erlauben und das schlechte Gewissen danach massiv ist. So esse ich von außen betrachtet zurzeit sehr gut, aber innerlich ist es ein unheimlicher Kampf. Meine Kleidung, welche mir bei dem vorherigen Gewicht gut passte, mit einem Gewicht, dass ich auf natürliche Weise nie halten könnte, sondern nur mit Restriktion und Sport, sitzt nun wesentlich enger. Das fühlt sich ziemlich beschissen an und ist gefundenes Futter für die Gedanken der Essstörung. „Wenn du wieder weniger ist, passen dir die Sachen wieder… ;-)) Da kam mir die Idee, dass ich mir in den nächsten Tage einfach Kleidungsstücke in einer größeren Größe besorgen werde. Was vermutlich auch schwierig wird, aber mein Körper verdient Kleidung in der ich mich wohl fühlen und gut atmen kann. Der mich nicht daran erinnert, dass ich eine LEBENSNOTWENDIGKEIT mir erlaube. Essen. Nein, normal fühlt sich das noch lange nicht an. Und ich weiß, dass die Essstörung auch noch eine Funktion hat, die lange Zeit auch sehr wichtig war um irgendwie zu überleben.

Ich möchte mich mehr versuchen auf andere Dinge zu konzentrieren, als auf meinen Körper, wie zum Beispiel die Arbeit und die Unterlagen für die Bewerbung zusammen bekommen. Aktiv an meiner Zukunft arbeiten und nicht jedes Mal meinen Körper zum Sündenbock zu machen. Was aber definitiv gerade hilfreich dabei ist, dass ich essen kann ist, dass ich keine sexuelle Beziehung zu jemandem habe. Niemand berührt mich, oder sieht mich nackt. Denn das verstärkt die Essstörung ebenso.

Die Zerissenheit zwischen Funktionieren und bodenlosem inneren Schmerz

Besser als das könnte ich es nicht beschreiben. Denn er ist mein stummer Begleiter. Bis er nicht mehr so stumm ist und raus will. Sich den weg nach oben kämpft und ich einfach nur noch schreien und weinen will. Doch all das ist gedeckelt unter einer Schutzschicht des Funktionierens. Denn zurzeit muss ich es mehr denn je. Ich arbeite mehr und habe auch mehr Verantwortung. Zum Glück nicht jeden Tag. Denn dann würde es aufbrechen. All das was gerade so gut gedeckelt ist. Es besucht mich zurzeit vor allem nachts mit nächtlicher Panik und makaberen Albträumen, in denen Personen meiner Vergangenheit Hauptrollen spielen. Heute war ich zum ersten Mal von 8:30 Uhr bis 15:30 Uhr arbeiten und Mittagspause hatte ich, während der Kleine schlief. Doch auch dort kam ich nicht zur Ruhe, denn die Mutter arbeitet von zu Hause aus. Die Fassade aufrecht zu halten ist anstrengend. Mit dem Kleinen ist das kein Problem, da kann ich mich natürlicher verhalten und bin in der Kümmerrolle. Was mich sehr anstrengt sind andere Erwachsene. Und heute hatte ich ab ungefähr 14 Uhr. pochende Kopfschmerzen. Was immer ein Warnhinweis des Innenlebens ist. PASS-GUT-AUF-AB-HIER-KÖNNTE-ES-LEICHTER-BRECHEN. Was ich damit meine sind Trigger, auf die ich dann heftiger reagiere. Wie heute auf dem Weg nach Hause, als ich nochmal in den Bioladen wollte um mir eine Schokolade als Belohnung zu gönnen. Dort blieb eine Frau abrupt im Eingang stehen und schrie mich dann an, dass ich gefälligst Abstand halten sollte. Wie sie es sagte triggerte so sehr. Ich kann verstehen, dass sie vielleicht Angst hatte, dass ihr jemand zu nahe kommt, durch die aktuelle Lage. Ich wies sie dann darauf hin, dass sie so plötzlich stehen geblieben sei und ich nur deswegen in ihre Nähe kam. Nicht mal wirklich zu nah, doch durch meinen Funktionsmodus bewegt sich mein Körper manchmal wie in Trance durch die Straßen. Doch wenn dieser Modus etwas kann, dann Abstand von Menschen halten, wenn er mich auch gegen Sachen laufen lässt und ich dadurch häufig mit blauen Flecken übersät bin. Der Frau sagte ich, dass sie mir dies auch in einem anderen Tonfall hätte sagen können und ich nicht möchte, dass man auf diese Art mit mir spricht. Keine Ahnung wo das auf einmal her kam. Ich erlebe aber sowas jetzt mehr, wenn jemand fremdes mich auf diese Art anpöbelt. Dass ich nicht anfange sofort zu weinen und in kindliches Verhalten rutsche, oder gar komplett einfriere. Wir waren mittlerweile in dem Bioladen und sie raunzte nur zurück, dass sie nicht mit mir diskutieren wolle. Aber in solch einer Lautstärke, dass uns alle im Laden anschauten. Diesmal war ich ganz froh über die Maske auf meinem Gesicht, denn ich merkte schon wie meine Lippen anfingen zu beben und mir Tränen in die Augen schossen. Ich verließ den Laden. Draußen schaffte ich das, was dort angetriggert wurde zu beruhigen. Mir zu sagen, dass ich gerade besonders sensibel bin, weil ich so lange gearbeitet hatte. Dazu diese besonderen Kopfschmerzen. Dass es okay ist, dass mich das gerade so umhaut. Dass ich die Umstände der Frau un für ihr Verhalten nicht kenne. Doch worin ich mir sicher war: Keiner durfte auf diese bestimmte Art und Weise mehr mit mir sprechen. Vielleicht wisst ihr ja welche Art ich meine. Dass ich jeden der so mit mir redet darauf hinweisen werde, dass ich das nicht möchte.

Ich weiß, dass ich zurzeit gut auf mich aufpassen muss. Dass ich meine Belastbarkeit erprobe ist okay. Aber nicht auf Biegen und Brechen. Nie wieder. Denn gebrochen ist schon so viel. Es wird eher ein herausfinden, was ich brauche um soweit funktionieren zu können, dass es nicht zu diesen Kopfschmerzen kommt. Wie ich zum Beispiel besser schlafe, oder mich während der Mittagspause ausruhe. Das ist gerade ein ausprobieren und herausfinden. Es macht auch ein bisschen Angst, denn manchmal weiß ich nicht ab wann und wie schnell es bricht.

Ich brauche Rat

Ihr Lieben,

Zurzeit befasse ich mich vor allem damit, wie es für mich in der Zukunft weiter gehen kann und ich habe die Möglichkeit aufgrund meiner Ausbildung eine einjährige Fachoberschule zu besuchen (hoffentlich, wenn alles klappt) um meine Fachhochschulreife nachzuholen. Die konnte ich damals leider nicht machen, weil ich kurz vorher suizidal in einer Klinik landete und die Schule abbrach. Mein weiterer Lebenslauf ist mehr als holprig. Die Schule fordert nun Krankschreibungen von 2014-16 und nochmal von 2018- 20. Nachweise habe ich keine von allen Zeiträumen und auch ein Tätigkeitsnachweis wird von jedem Jahr gefordert. Ich habe so große Lücken, was die Jahre angeht, dass ich in meinem Lebenslauf sogar nur grob schätzen konnte. Den überhaupt zu schreiben war vielleicht ein Abenteuer! Ich werde heute mal meine Unterlagen durchforsten, was ich alles noch an Nachweisen habe.

Hat jemand eine Idee, wie ich nachweisen kann, dass ich in diesen Zeiträumen krank geschrieben war?

Ich bin wirklich motiviert weiter zu machen und wünsche mir sehr diese Schule zu besuchen. Nur lässt mich gerade mein Gehirn was das angeht im Stich und dass ich viele Unterlagen bei Umzügen weg geschmissen habe.

 

 

Die Zeit rast nur so an mir vorbei

Heute ist mir bewusst geworden, dass ich dieses Jahr 27 werde. Mir wurde jahrelang wenn ich sagte, dass ich das Gefühl habe hinterher zu hängen mit allem, gesagt, dass ich ja noch jung sei und genügend Zeit hätte. Doch die Zeit rast nur so an mir vorbei und dieses Jahr werde ich schon 27. Ich weiß das klingt nicht alt, aber viele der Jahre habe ich einfach nicht bewusst gelebt und in mir kommt ein Aufschrei, ich will die Zeit zurück drehen und nochmal anfangen. Die meiste Zeit fühle ich mich eher wie 16 und nicht wie 26. (Eher so wie Hannah aus 13 reasons why)Auch wenn viele Erwachsenen Sachen wie automatisiert gemacht werden. Denn am Leben halten konnte ich mich irgendwie immer. Mir fehlt so viel Zeit und dass ich nicht da stehe wo andere in meinem Alter schmerzt weniger als die Tatsache, dass ich den Großteil dieser Zeit extrem unglücklich war. Ich habe nicht gelebt, sondern überlebt. Es sind über die Jahre schon einige sehr schöne Momente dazu gekommen, die es lebenswert machen. Das war ja auch mein Ziel um überhaupt weiter zu machen. Schöne Momente in die andere Waagschale zu legen, denn die Andere wiegt einfach zu schwer. Zurzeit gibt es auch keine Menschen die mir wirklich etwas bedeuten. Und das ist okay glaube ich. Oder jedenfalls muss ich mir das sagen, dass es schon okay ist. Dieser Überlebensmodus lässt alles so sehr an mir vorbei rauschen. Ich weiß, ich wiederhole mich, wenn ich das sage, aber dieses Jahr im Oktober werde ich 27 und ich will diese Zeit zurück. Ich will die Zeit zurück und nochmal anfangen dürfen. Achja, was ich mittlerweile auch weiß ist, dass zu realisieren extrem Schmerzhaft ist. Ich trauere um diese Jahre von denen mir nur einige Erinnerungsbrocken um die Ohren fliegen. Und vielleicht ist das auch okay gerade, zu trauern um diese Zeit, die ich niemals wieder bekomme. Um bald 27 Jahre, die aus Zähne zusammen beißen bestanden. Ich bin immer motiviert weiter zu machen und es wird noch besser, aber erstmal muss ich lernen wie das überhaupt geht: Zu leben, statt nur zu überleben.