Veränderungen

Es stehen größere Veränderungen für die kommende Zeit an und damit meine ich nicht nur die inneren Prozesse, die ablaufen, sondern auch die äußeren Bedingungen werden sich verändern. Aus bestimmten Gründen müssen meiner ehemals beste Freundin, eine neuere Mitbewohnerin, die mittlerweile eine gute Freundin geworden ist und selbst zur Therapie geht, und ich aus der derzeitigen Wohnung ausziehen. Das war schon länger geplant, nur der eigentliche Plan war, dass ich mit V. der ehemals besten Freundin in eine zwei Zimmer Wohnung ziehen würde. Die letzten Monate verhielt sie sich ziemlich rücksichtslos und auch letzte Woche gab es Situationen, die für mich sehr schwierig zu händeln waren. Wie zum Beispiel, dass sie uns am Abend vor der ersten Traumatherapie eröffnete, dass sie zwei Monate nicht da sein würde und ihre derzeitigen zwei Zimmer untervermieten würde. Das heißt zwei neue Mitbewohner, auf die ich mich einstellen muss. Das bedeuten ungewollt eine 4er WG. Ich kann mich noch genau daran erinnern, welchen Hochstress es auslöste, als die letzte neue Mitbewohnerin einzog. Mittlerweile ist sie eine Freundin, die viel Ruhe ausstrahlt, offen kommuniziert und auf meine Grenzen achtet. Da sie selbst in Therapie ist, reden wir auch häufig über schwierige menschliche Interaktionen. Es tut gut verstanden zu werden. Nachdem V. uns das eröffnete, beschloss ich auch etwas, worüber ich schon länger nachdenke. Am nächsten Tag sagte ich ihr, dass ich das Gefühl habe, dass wir zurzeit sehr andere Bedürfnisse haben und nicht mehr mit ihr in eine neue Wohnung ziehen möchte. Das fühlt sich nach wie vor sehr stimmig für mich an. Immer mehr schaffe ich es für mich einzustehen und erkenne, dass sie auch einem Menschenbild ähnelt, dass durch die Prägungen meiner Vergangenheit stammt. Dieses rücksichtslose, selbstbezogene, über meine Grenzen übertrampelnde Verhalten kann ich mittlerweile nicht mehr stumm hinnehmen. Weder möchte ich mich zukünftig mit Menschen umgeben, die sich mit meiner Schwierigkeit Grenzen zu setzen bereichern. Zurzeit freue ich mich auf die Veränderung und fülle fleißig WBS Unterlagen aus. Die neue Mitbewohnerin würde gern mit mir weiterhin zusammen wohnen und das zusammenleben ist momentan auch sehr achtsam und angenehm. Die Frage ist, ob ich mit jemandem zusammen wohnen möchte, alles hat seine Vorteile. Allein wohnen könnte zu Isolation führen, denn es fällt mir immer noch sehr schwer Kontakte zu halten. Das ist etwas, was ich gerade für mich herausfinden darf. Meine ehemalige beste Freundin mag keine Tiere und der Wunsch nach einem Haustier besteht schon sehr lang. Es eröffnen sich neue Möglichkeiten für ein selbstbestimmteres Leben.

Gedanken nach der gestrigen Traumatherapie

Sie war wieder da ab einem bestimmten Punkt. Die Barriere mit Erinnerungen und Sie stand davor voller Wut auf meine Therapeutin und auch auf mich, weil wir weiter uns mit dem Thema beschäftigten. Genau wie beim letzten Mal. Ihre Energie kenne ich, sie ist ich, aber jünger und destruktiver. Gerade frage ich mich, ob ich mir das nur einbildete, da ich nicht weiter machen wollte, weil es zu heftig wurde. Dass ich mir diese Barriere mit der täteridentifizierten Beschützerin der Emotionen und Erinnerungen nur einbilde. Sicherlich IST es aber ein Teil von mir. Gestern habe ich noch mehr über meine Männerprägung gelernt. Ich wusste schon, dass es vermutlich mit dieser Erfahrung zu tun hatte, den ich konnte nicht einordnen, was passierte, aufgrund meines Alters. Glaubte die Lügen des Täters, die verbreitet wurden irgendwann selbst. Mir kamen die Männer in den Sinn, mit denen ich danach, Jahre später, Beziehungen führte und immer noch dachte „das ist wohl Liebe“. Denn es war auch eine Vertrauensperson damals, zu der ich aufblickte. Ich bin angwidert davon, was ich erfahren habe. Natürlich weiß ich über die Grausamkeit einiger menschlicher Wesen, aber durch den Satz „aber bei mir war das alles nicht so schlimm“ nahm ich den Täter auch irgendwie in den Schutz.

Gestern machte der Magen ganz komische und laute Geräusche, als eine Körpererinnerung kam. Meine Therapeutin und ich sahen uns staunend an. Es klang nicht wie Magengrummeln, wenn man morgens Hunger hat. Das ist einer der Momente in denen ich anfange zu glauben. Denn mein Körper zeigt es mir, so laut und deutlich.

Ich hoffe das erneute durch die Hölle gehen in den Sitzungen wird mich am Ende freier machen.

 

Die Haut in der ich wohne

Gerade war ich zum zweiten Mal heute duschen. Kein Wasser und keine Seife der Welt können dieses Gefühl weg waschen. Alles was ich fühle ist zu viel Haut. Haut die Erinnerungen in sich trägt. Gern würde ich fliehen, einfach meine Koffer packen und abhauen. Morgen Früh nicht zur Traumatherapie gehen. An jedem Ort, den ich aufsuchen würde, wäre da immer noch meine Haut. Meine Haut und dieses Gefühl. Schwer dies zu beschreiben. Ähnlich wie bei einem Fleck in der Wäsche, der sich nicht mehr heraus waschen lässt. Ein hässlicher Fleck für die Ewigkeit. Unsichtbare Flecken auf meiner Haut, die ich versuche von mir zu waschen. Gefangen in meiner eigenen Haut, in diesem Körper, der all diese Erinnerungen in sich trägt.

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Ihre Geschichte

Heute kamen während der Traumatherapie starke Körpererinnerungen. Als erstes dachte ich genau wie bei der Dissoziation, dass ich einfach damit aufhören könnte, wenn ich nur wollte. Ich konnte nicht. Geräusche, die sogar meine Kehle machte, was mich total verstörte. Als wäre ich gerade Zeuge meiner eigenen Geschichte. Eine Geschichte, die mir so fremd ist. Die Gefühle und Gedanken. Dann war jemand wütend auf die Therapeutin. Wütend, dass weiter gebohrt wurde und ein klares Nein, dass da eine Barriere ist, die nicht übergangen werden darf. Ich spürte dass dahinter Erinnerungen waren. Was der Körper alles zeigte verstörter mich zutiefst. Eine Landkarte an Erinnerungen. Er erinnerte mehr als dass ich Bilder sah. Wir wissen nun auch warum. Es tauchen Fragmente auf und dazwischen ist Bewusstlosigkeit. Meinte Therapeutin äußerte auch noch etwas zu dem Täterprofil. Dass man mich in meinem Zustand eigentlich ins Krankenhaus bringen und mir den Magen hätte auspumpen müssen. Danach ist so viel schwarz. Es kamen Fetzen aus der Zeit davor und danach. Wie ich mich immer mehr nach Innen verzog. Diese Geschichte, die ich heute erfahren habe, fühlt sich so fremd an. So weit weg.

Das was mir gerade Angst macht ist, dass es eine Situation von Vielen ist. Was dieser Körper bisher alles aushielt, was ich wohl noch erfahren mag. Und ich bin immer noch hier und lebe. Irgendwie habe ich das geschafft. Irgendwie.

Bedarfsmedikament ja/nein?

Ich will nicht lügen, zurzeit ist es wirklich besonders hart. Die Traumabearbeitung verstärkt viele Symptome. Eines davon äußert sich in genereller Panik im Körper, die sich nun häufiger zuspitzt zu Panikattacken. Generell habe ich immer Medikamente abgelehnt, bin für pflanzliche Mittel. Doch ich komme wirklich an meine Grenzen und darüber hinaus. Selbst bei kompletter Erschöpfung ist das Stresslevel konstant hoch. Ich bemühe mich schöne Sachen zu machen. Mich genügend zu bewegen, in die Natur zu gehen, Sport zu machen. Doch auch das alles strengt sehr an. Dadurch dass die Bezugsbegleiterin ausfällt, lastet alles auf meinen Schultern. Gestern sprach ich an, dass ich für solche Zustände überlege ein Bedarfsmedikament zu besorgen. Meine Therapeutin sagt es ist gerade kein Muss, aber könnte helfen. Allein schon das Medikament bei sich zu tragen, für den Fall der Fälle könnte Entlastung geben. Sie schlägt Atosil vor. Die Liste der Nebenwirkungen ist immens, doch meine Symptome, auf der anderen Seite sind gerade ja auch nicht ohne.

Hat Jemand schon Erfahrungen damit? Generell mit einem Bedarfsmedikament? Wie steht ihr dazu?

 

Die Ruhe vor dem Sturm – Traumatherapie

Heute Morgen als ich aufwachte bemerkte ich sofort, dass mein Innenleben wie betäubt war. Die Anspannung der letzten Tage, die Kopfschmerzen, die Angst, die im Körper wohnte – alles nicht mehr spürbar. Das Morgenritual beginnt mit Kaffee kochen und Duschen, am Tag der Therapie. Nun trinke ich diesen Kaffee, höre dabei Musik und denke darüber nach wie es heute ab 11 Uhr wird. Wir bearbeiten ein Trauma aus der Zeit 12/13. Wenig Erinnerungen an diese Zeit. Was ist, wenn ich dann immer noch kaum existent dort sitze? Ich schätze das kann man alles nicht planen, auch wenn ich das gern würde. Ich muss mir wohl eingestehen, dass das etwas ist, worüber ich keine Kontrolle habe. Wie ich reagiere. Ich weiß es nicht. Aber bis hin zu einfrieren etc. kenne ich ja alles.

Was ich aber kontrollieren kann ist, dass ich weiterhin versuche Stress zu reduzieren, dass mich jemand nach der Stunde abholt und nach Hause bringt (habe es tatsächlich geschafft zu fragen) denn die Bezugsbegleiterin E. begleitet mich nicht mehr weiter. Also versuche ich anders Hilfe zu finden. Nicht zu viel alleine zu machen.

Am meisten habe ich Angst dass wieder ein suizidaler Zustand ausgelöst wird. Ein Zustand von früher. Doch auch dann weiß ich was ich mache und zwar nicht zum Krisendienst, sondern in eine Akutklinik mit Krisenstation.

Mal sehen, wie es wird und wie es mir danach geht, wenn die Tür einmal aufgemacht wurde.

 

Das Realisieren der Vergangenheit

Es ist immer wieder interessant wie viel, bzw, wenig Menschen ertragen können. Heute nach der Traumatherapie fragte mich eine Freundin wie es mir geht zuerst sagte ich „alles okay, ich ruhe mich aus und wie geht’s dir? “ Eine Antwort, die automatisch kommt. Denn das will der Großteil der Menschen hören. Zumindest die, denen ich bisher begegnet bin.

Später schrieb ich, dass ich gerade realisiere, wie beschissen meine Biographie bisher war. Sie antwortete, dass ich das ja jetzt ändern könnte. Als ich dies las, stand ich mitten in einem Supermarkt, meine Arme beladen mit Einkäufen. Mein Magen drehte sich um und ich hätte gern auf den Boden meinen Schwall aus Gefühlen gekotzt. Für mich ist es gerade wichtig einfach mal zu realisieren, ich versuche jeden Tag meine Gegenwart und Zukunft zu verändern. Mache Sport, ernähre mich gesund, habe Stress reduziert, toxische Kontakte aussortiert etc. Ich arbeite aktiv daran, aber heute will ich einfach sagen dürfen: Es ist beschissen.

Beschissen was mir passiert ist und welch enorme Auswirkungen das noch immer auf mein Leben hat. Ich gehe buchstäblich nochmal durch die Hölle in der Traumatherapie. Schwer vorstellbar vermutlich für Menschen, die ähnliches nie erlebt haben.

Ich möchte heute keine guten Ratschläge, nicht positiv denken. Gerade versuche ich innerlich angetriggerte Sachen aufzuhalten, destruktive Bedürfnisse sich irgendwie zu betäuben. Von außen nicht sichtbar, aber ich kämpfe gerade so hart mit meinem Innenleben. Mir ist Immer noch schlecht.

Also setze ich mich hin und male was ich fühle um dem zu entkommen, was in mir tobt. Für heute möchte ich einfach mal anerkennen, dass es beschissen war. Unbeschönigt. Natürlich ist es hässlich. Natürlich will das keiner weder hören noch sehen. Denn die Wahrheit tut weh, macht einen hilflos. Nicht nur mich selbst sondern auch die Menschen, die versuchen darauf zu reagieren.

Um ehrlich zu sein glaube ich gibt es heute keine angemessene Reaktion. Lassen wir es einfach so stehen. In all der Hässlichkeit.

So ist es es.

 

 

Der Besuch meiner Schwestern

Vorgestern besuchten mich meine beiden jüngeren Schwestern für einen Tag. Ich wollte mal ausprobieren wie es mittlerweile ist, die Beiden wünschen sich Kontakt. Meine Jüngste habe ich drei Jahre nicht mehr gesehen. Sie ist mittlerweile 21 und die Andere ist 24. Beiden sagte ich zuvor, dass ich gerade mit der Traumatherapie angefangen habe und es mir so mittel geht. Nichts mehr verstecken und gucken, ob sie damit klar kommen. Da sie trotzdem kamen, hatte ich die Hoffnung dass sich mittlerweile etwas verändert hatte. Aber nein, das hatte es nicht. die 24 Jährige sagte mir sie googelt immer alles, will aber nicht direkt mit mir über was reden und die Jüngste verzog ihr Gesicht, als ich versuchte zu erklären was Dissoziation ist. Ihr war es zu viel. Ich achtete diesen Tag null auf meine Bedürfnisse und funktionierte irgendwie. Nachdem ich sie zum Bahnhof brachte bekam ich so starke Kopfschmerzen und dissoziierte. Ich dachte noch ich würde gleich umkippen, weil mein Gehirn sich so komisch anfühlte. Als wäre dort ein Kabelbrand. Zu Hause musste ich sofort schlafen. Als ich aufwachte musste ich mich vor Kopfschmerzen fast übergeben. Emotionale Flashbacks überrollten mich. Seit gestern bin ich unheimlich gereizt und alles überfordert mich. Ich würde gern wieder schlafen gehen, doch da träume ich nur von der Vergangenheit. Details wie Regale und Kisten, die in dem Zimmer meiner Schwester damals waren. Ich denke sie erinnern mich an eine Zeit, in der es mir sehr schlecht ging und nun ist klar, dass ich das sobald nicht wiederholen will. Es war die beste Entscheidung weg zu ziehen.