Ich funktioniere nicht mehr

Termine absagen

Decke über den Kopf

Klingel überhören

tot stellen

Ich bin nicht da, bin gar nicht da

bitte lasst mich einfach

Ich hab keine Kraft mehr

So lange schon auf Leerlauf

Wie soll ich weiter laufen

Lachen

Leben

Tun als wäre es gut,

obwohl es das nicht ist

Müde trifft nicht annähernd

was ich innerlich fühle

Vorbereitung auf die Traumatherapie

Gestern in der Therapiestunde erstellten wir einen Zeitstrahl mit den groben Angaben wann welche Traumata passiert sind, von denen ich weiß. An meiner Kindheit erinnere ich mich nicht viel und ab 12 verschwimmt alles. Manche Ereignisse dort fühlen sich an wie parallel gelebte Leben. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass das alles in einem Zeitraum passiert sein kann. Das würde auf jeden Fall erklären warum ich dort sterben wollte. Nachdem ich auf mein Blatt starrte auf dem Altersangaben standen fing mein Gehirn mit etwas neuem an.

„Da steht so wenig, vielleicht brauche ich ja doch keine Therapie. Gut, dann sind wir bestimmt in drei Wochen damit durch!“

Ich schickte die Liste einer Vertrauensperson (nur mit den Zahlen, ohne Stichpunkte was passiert ist, das konnte ich nicht aufschreiben, das hat meine Therapeutin) Denn ich merkte, das mein Gehirn mir gerade einen Streich spielte. Vermeidung Level 100. Sie sagte mir ihre Wahrnehmung und sagte mir auch, dass man meinem Gehirn da gerade vielleicht nicht vertrauen kann mit der Wahrnehmung und es mich vermutlich schützen will.

Meiner Therapeutin schickte ich auch nochmal einige Zeilen, was bei mir ausgelöst wurde. Sie sagte, sie würde es komplett anders sehen, dass es so viel ist, dass wir uns gut überlegen womit wir anfangen.

Ich meine rational gesehen reicht schon ein traumatisches Ereignis um eine Traumatherapie zu machen. Warum habe ich auf einmal das Gefühl mich dafür „qualifizieren“ zu müssen und mich somit total selbst invalidiere indem ich sage: Ach so schlimm war das alles ja gar nicht, wozu überhaupt Therapie?“

Diese Woche soll ich Flashback aufschreiben und was am häufigsten kommt, damit fangen wir an. Ganz ehrlich, mein Gehirn sagt gerade: Flashbacks? Welche Flashbacks? Sowas gab es noch nie, kann ich mich nicht daran erinnern, sowas je gehabt zu haben. Meine Idee war, einfach den Blog und Entwürfe durch zu stöbern, da wird häufig geschrieben wenn Erinnerungen kommen.

Für die kommende Zeit habe ich ein großes Heft besorgt, in welches der Prozess aufgeschrieben wird. Mit Krisenplan, dem Zeitstrahl und Reflexion nach den Stunden, denn ich weiß, dass Schreiben immer hilft wenn alles überfordert. Ein bisschen habe ich dort gestern schon hinein geschrieben, die Listen werden noch in der nächsten Zeit ergänzt. Vielleicht hat ja jemand von euch noch einen Tipp?

Nachrichten von der Frau, die mich geboren hat

Das erste Mal eine ehrliche Antwort darauf, nicht nur hier auf dem Blog. Es hat einige Tage gebraucht. Drei Jahre haben wir uns nun nicht gesehen. Auf die letzten Nachrichten aus dem Nichts reagierte ich nicht mehr, denn ich machte vor einigen Jahren klar, dass mir Kontakt gerade NICHT gut tut. Sie versucht es dennoch immer wieder Mal nach einigen Monaten. Diesmal kam das:

„Hallo Mondmädchen. Ich wollte dir sagen, dass ich ab morgen bis zum 26. frei habe und zu Hause in ****** bin. Hast du nicht Lust auf einen „Heimatbesuch“? Ich würde gern einen Tee mit dir trinken, dich sehen… Ich vermisse dich! Wir müssen gar nicht tief in Gespräche einsteigen, wenn du das nicht möchtest. Einfach nur… Kontakt. -Was meinst du? Das Reisegeld würde ich dir auch überweisen. Du könntest hier schlafen oder auch nicht – ganz wie DU willst.“

Heimatbesuch. Das brauche ich gerade wie einen großen Pickel am Po oder Fußpilz. Komisch wie sie mittlerweile schreibt. Es würde richtig nett klingen, ohne unsere Vergangenheit. So stößt es nur bitter auf. Bitte lass das. Lass es mir sowas zu schreiben. Das reißt alte Wunden auf und tut nur weh. Denn wie soll man jemals darüber hinweg kommen keine Mutter gehabt zu haben, die einen liebt? Das ist etwas, das niemals gut sein wird. Eine Lücke, die immer bleiben wird. Das habe ich akzeptiert.

Meine Antwort:

„Hallo Mama, Kontakt würde mir momentan nicht gut tun. Ich melde mich, wenn ich bereit für Kontakt sein sollte. Bis dahin akzeptiere bitte, dass ich keinen Kontakt möchte. Früher hätte ich dich gebraucht und mir Kontakt mehr als alles andere auf der Welt gewünscht. Jetzt nicht mehr. Zu lesen, dass du mich vermisst ist nicht schön, sondern verstört mich eher. Weil ich mir das nicht vorstellen kann, oder jemals gespürt habe, dass du mich liebst oder vermisst. Wir müssen nichts erzwingen, nur weil du mich geboren hast. Ich hoffe du kannst für dich an deinen Themen arbeiten. Irgendwann.“

Diese Nachricht hat so viel Kraft gekostet und nun kommen Schuldgefühle hoch, sie damit verletzt haben zu können. In mir weiß ein Teil aber auch, dass das wichtig war für mich. Es tut sehr weh. Es ist okay.

Die leere in meinem Inneren gefüllt mit nichts als Schmerz

Während ich hier sitze und durch einen Tränenschleier versuche etwas zu erkennen, halte ich die Luft an. Nicht weinen. Nicht den Kopf gegen die Wand schlagen. Das ist Schmerz, das kennst du. Das ist bodentiefe Leere, die kennst du. Apathie gepaart mit chronischer Überforderung. Wochenlang habe ich versucht einen Menschen zu mimen, der ich nicht bin. Bis nach Tagen gefüllt mit Kontakten um nichts mehr zu spüren in meinem Kopf nur noch hallte „verpisst euch alle.“ Eine neue Art von Kopfschmerzen hat sich dazu gesellt. auf der rechten Seite und das rechte Auge. Fühlt sich an wie das Zentrum im Gehirn für menschliche Kontakte und dass dort ein Tumor gewachsen ist, der mächtig auf mein allgemeines Nervensystem drückt. Von meiner Psyche mal abgesehen. Gestern hat sich S. gegenüber jemand geöffnet mit anscheinend Traumainhalten. Keine Ahnung, mein Filter im Kopf ist anscheinend auch kaputt. Ich weiß nur, dass ich erzählte von meiner Angst vor der kommenden Zeit. Und die selbsterfüllende Prophezeihung vor einigen Monaten schlug ein. Es ist ihm zu viel. Bitte weniger von allem. Und ich weiß noch nicht mal weiß wovon genau.

Ich wünsche mir jemanden, der sagt es ist okay Angst zu haben. Verstanden zu werden und nicht gleich den größten Triggerpunkt zu drücken, wenn der Filter hier durchlässiger ist. Menschen sind nach wie vor der größte Kopfschmerz in meinem Gehirn. Ich habe nie gelernt angemessen auf Enttäuschung zu reagieren, daher schreibe ich es mir von der Seele. Weil ich gerade nicht anders kann. Nicht weinen kann, auch wenn der Kloß im Hals alles zuschnürt.

Was auf jeden Fall anders ist, ist mein Mitgefühl für all das was mir passiert ist, was ich gerade nicht weiß. Was ich weiß ist, dass es eine unvorstellbare Kraft braucht sich jeden Tag so zusammen zu halten, wenn man so zerbrochen innerlich ist.

 

In aller Seelenruhige mache ich in meinem Zimmer Sportübungen, hole die Wäsche vom Balkon rein, räume Sachen in den Schrank, ziehe mich um und begutachte das gefundene Outfit im Spiegel, schlendere in die Küche, da hat die Mitbewohnerin gerade etwas im Ofen. Ich luscher neugierig hinein um heraus zu finden, was es ist und stelle fest „oh shit, das ist ja von mir!“

Nach einem triggerreichen Tag , ist das Dissoziationslevel mal wieder höher und ist das eigentlich mein Gehirn, dort oben in meinem Schädel, oder ein Haufen Matsch? Das gilt es mal heraus zu finden. Mich würde nichts mehr wundern. 😉

P.s. Das Essen war tatsächlich noch genießbar, weil es niedrig eingestellt war. Alles in allem Glück trotz Matschehirn.

 

Die Sätze in meinem Kopf auf repeat

„LASST MICH IN RUHE, LASST MICH ALLE IN RUHE“ Wer sind denn alle? Was ist denn zu viel?

„Er/sie ist böse.“

„Niemand interessiert sich für dich. Du wirst so oder so wieder ersetzt. Dass kommt davon wenn man nicht funktioniert.“

„DU-MUSST-DICH-ZUSAMMEN-REIßEN-UND-WIEDER-FUNKTIONIEREN“

„Sag er soll sich verpissen und lösch die Nummer. Vergessen ist so leicht.“

„Er/sie wird eh gehen.“ „Guck, die Stimme hat sich schon verändert. “ 

„In Wahrheit hassen sie dich“

„Ich bin so allein.“

„Warum liebt mich niemand?“

„Deine Eltern sind verfickte Fotzen.“

Gibt es einen Gegenwartsbezug? Nein. Diese Sätze katapultieren in andere Zeiten, bis ich allen nur noch verschwommen sehe. Die gestrige Nacht wurde nur mit Hand halten überstanden. Die eigene Hand haltend.