Kontakt mit S.

Wir haben gestern darüber geredet wie unserer weiterer Kontakt aussehen könnte während ich die Therapie mache. Dazu erzählte ich grob, was die nächsten Schritte sind und schlug vor, dass jeder seine Bedürfnisse äußern kann und wir dann gemeinsam überlegen. Ich erzählte absolut die Schonversion und nicht, wie vermutlich die hässliche Realität ist. (Ich bin ja Meister des Versteckens, deswegen ist sowas auch nicht relevant) Ich sagte ihm, dass es mir zeitweise vermutlich sehr schlecht gehen wird und wenn ich ihn sehe, habe ich den Druck gut gelaunt und funktionieren zu müssen. Er fragte ob er mich in der Zeit irgendwie unterstützen könnte, was für mich aber nicht möglich ist, wenn es nicht jemand proffessionelles ist. (Es belastet Beziehungen und löst bei mir starke Verlustängste aus, aus Angst, dass es den Personen zu viel ist) Die Optionen wären eine Kontaktpause, oder weniger sehen und dann vereinzelt schöne Dinge unternehmen, was mich dann ja auch ablenken würde. Er schien ziemlich überrascht davon und sagte er dachte immer es wäre einfach nur Therapie und dann wieder Schule, aber nicht, dass das so ein ganzes Programm so einen langen Zeitraum wäre. (Er hat keine Therapieerfahrung) Und er hatte sich darauf eingestellt mich dabei zu begleiten, soweit ich es zulassen würde. So sähe natürlich nochmal alles anders aus. In mir gehen zur Zeit die Schutzsysteme hoch. Die Therapie ist erste Priorität. Wenn jemand da nicht mitgehen kann, das zu viel ist etc. dann Ciao. So ist es gerade im Kopf. Null Toleranz für null Toleranz. Gegen Ende des Treffens mischte sich das Warnsystem wieder mit rein. Ich wurde ein bisschen lahm gelegt und er als Bedrohung angesehen, von der ich weg musste. Das löste die Angst aus, dass da wieder jemand ist dem wir zu viel sind. Niemand will da bleiben, wenn es schwierig wird. Außer… wir.

Abends tauschten wir uns nochmal über den Tag aus und warum ich so schnell weg wollte. Er war sehr lieb und sagte, er fände es gut, wenn ich auf meine Bedürfnisse höre, dennoch hätte er mich gern länger gesehen.

Die Tränen flossen als er sagte in unserem Kontakt wäre ja von Anfang an schon eine gewisse Schwere, wodurch wir beide vermutlich dann auch immer so erschöpft wären. (Wobei wir die meiste Zeit schöne Sachen unternehmen und viel lachen. Natürlich werde ich trotzdem ab und zu getriggert, Programme laufen ab, oder ich dissoziiere. Das ist halt Teil meines Alltags und das was ich mitbringe und nicht einfach mal so abstellen kann) Deswegen trifft mich das auch immer so sehr. Ich wäre gerne die, die für alle Leichtigkeit und Unbeschwertheit bringt. Bin es zeitweise aber nicht.

Das hat ausgelöst, dass ich gerade nicht weiß, ob ich den Kontakt mit S. in der nächsten Zeit möchte. Er wünscht sich mehr Leichtigkeit, während ich die meiste Zeit durch die Hölle schreite. Dieser Spagat verlangt mir alles ab und es würde heißen wieder mehr zu überspielen und funktionieren, was unheimlich viel Kraft raubt. Vielleicht ist das einfach gerade noch nicht möglich und dran. Ich kann nicht geben, was sich gewünscht wird und vielleicht ist das auch okay. Darüber werde ich in den kommenden Tagen mal nachdenken. Bisher gibt mir der Kontakt sehr viel schöne Momente, Lachen, tolle Kommunikation, gegenseitiges Sehen und Rücksichtnahme, Quatsch machen und ähnliche Interessen. Es würde mir sehr fehlen mich davon zu verabschieden. Doch dieses innere Zerreissen nur um die Bedürfnisse anderer zufrieden zu stellen, will ich nicht wieder. In der kommenden Zeit geht es hauptsächlich um mich. Dafür brauche ich all meine Energie.

Zu viel Schmerz

Wie viel Schmerz kann man ertragen?

Und wenn es zu viel wird

bricht man in Einzelteile auseinander

Allzeit mit klaffenden Wunden

Eine einzige klaffende Wunde

Die schmerz schmerzt schmerzt

Niemals aufhört zu bluten

Dadurch auch niemals zu einer Narbe wird

einfach nicht heilt

Ein Stück zerbrochenes Glas

wird niemals wieder so sein wie zuvor

selbst wenn man die Einzelteile

wieder fein säuberlich zusammen klebt

werden die Risse sichtbar bleiben

 

 

Von mir an mich

Sogenannte Liebe und Verbindung gibt es, aber das hat seinen Preis und er heißt die Beine breit zu machen. Wie kann das ein so wichtiges Thema sein? Worum geht es da? Macht und Besitz? Funktionieren, wenn der Preis so hoch ist. Sich ab einem Punkt schon längst ausgeschaltet haben.

Geräusche, Geräusche. Widerlich.

Ich sag, scheiß auf diese angebliche Liebe. Das braucht keiner. Du musst nicht funktionieren wie ein höriges Püppchen. Du musst einen Scheiß. Und wenn du nicht willst musst du nie wieder.

Scheiße, du gehörst niemandem. Niemand kann dich besitzen.

Ambulante Traumatherapie

Da sich die Bewilligung der Krankenkasse, was die Traumaklinik angeht, in die Länge zieht, hat meine Therapeutin mir heute vorgeschlagen bald mit der ambulanten Traumatherapie anzufangen. Nicht wie eigentlich geplant erst Klinik und danach ambulant weiter zu machen. Dazu brauchen wir erstmal einen Krisenplan und mein Wunsch wäre ein gesichertes Bett in einer Klinik bei mir in der Nähe, vorzugsweise die ,die ich schon kenne. In der ich das Pflegepersonal mag und schätze. Ein Ort neben dem Krisendienst zu dem ich kann, wenn Sachen ausgelöst werde und es suizidale Zustände gibt. Diesen Plan werde ich diese Woche schon anfangen und nächste Woche von meiner Therapeutin ergänzen lassen. Ich baue mir ein Netz, wenn ich falle.

Vor zwei Jahren war eine Stimmt in mir aktiv, die mir Anweisungen zu suizidalen Handlungen gab. Mir Sachen einredete und Bilder zeigte, wie ich von einer Brücke springe, vom Balkon etc. zu dieser Zeit dachte ich absolut verrückt zu werden. Die Stimme war auch noch da in meiner letzten Beziehung. Seitdem ist es still. Ich habe Angst, dass das wieder kommt, wenn wir an den Traumata arbeiten.

Ich bin so bereit wie man glaube ich sein kann und habe eine scheiß Angst vor dem was kommt.

 

I built it because I thought that it would be safer in there
But it’s not, I’m not the only thing that’s living in here
Fear came to my house years ago I let ‚em in
Maybe that’s the problem
Cause I’ve been dealing with this ever since
I thought that he would leave, but it’s obvious he never did
He must have picked the room and got comfortable and settled in
Now I’m in the position it’s either sit here and let him win
Or put him back outside where he came from, but I never can
Cause in order to do that I’d have to open the doors
Is that me or the fear talking?
I don’t know anymore

Das Gefühl versagt zu haben

Als ich heute Morgen aufwachte, fühlte ich mich schlechter und müder als vor dem Schlafen. Es fühlt sich an wie ein grippaler Effekt mit starken Gliederschmerzen. Für heute Morgen hatte ich spontan einen begehrten Termin bekommen für eine Sozialberatung für Frauen mit chronischen/psychischen Erkrankungen. Dort war ich schon einmal und wollte auf keinen Fall absagen um nicht undankbar zu wirken. Also quälte ich meinen Körper aus dem Bett, trank zwei Tassen Kaffee und schleppte den Körper Richtung S Bahn Haltestelle. Auf dem Weg dachte ich umzukippen und der Körper tat einfach überall weh. Dann beschloss ich doch abzusagen und mich nicht auf Biegen und Brechen dort hin zu schleppen. Es ging einfach nicht. Kapitulation. Die Frau am Telefon war sehr sachlich, aber abzusagen triggerte einfach und holte Glaubenssätze von meiner Mutter hervor. Die eben so lebt „auf Biegen und Brechen“. Seitdem könnte ich die ganze Zeit weinen, doch selbst Tränen kommen keine. Ich sitze nur stumm und mit Schmerzen in meinem Bett und werde von Emotionen und Gedanken überflutet. Warum kann ich nicht einfach funktioneren? Ich schaffe es nicht mal zu einem Gespräch über meine berufliche Zukunft zu gehen, wie soll es dann klappen meine berufliche Zukunft überhaupt anzugehen. In meinem Kopf hallt es „Versager, Versager, Versager, immer ein Versager.“

Ich versuche wirklich positiv zu sein. immer wieder aufzustehen. Weiter zu machen. Heute fühle ich mich aber einfach wie ein großer Scherbenhaufen, der in der Ecke liegt. Es fällt mir gerade schwer das irgendwie schön zu reden. Es fühlt sich einfach verdammt hässlich an.

Zähne und Zahnärzte

Mittlerweile sind meine Zähne wieder in einem Zustand der „okay“ ist. Das war harte Arbeit, das Schritt für Schritt unter Trigger und Schmerzen anzugehen. Es gab Zeiten in denen Zähne putzen kaum möglich war. Der Mund ist Triggerzone. Zahnarztbesuche wurden jahrelang vermieden. Nach einer Magersucht mit einer Form von Bulimie, bei der Dinge gekaut und wieder ausgespuckt wurden (Zwanghaft Schokolade) waren die Zähne in einem ziemlich schlechten Zustand. Auf meiner Liste standen „Zum Zahnarzt gehen“ und „zum Gynäkologen (wo dann tatsächlich irgendwann Endometriose festgestellt wurde). In der Stadt, in der ich damals noch lebte und auch geboren wurde, fand ich einen Zahnarzt für Angstpatienten. Dort mussten meine Zähne grundsaniert werden. Da so viel gemacht werden musste und die Zahnärztin verstand, wurde das nach therapeutischer Begründung unter Vollnarkose gemacht. Was auch nicht gerade angenehm ist, da es auch triggert. Zähne putzen klappt besser, an manchen Tagen nicht. Im Moment suche ich in der neuen Stadt, in der ich lebe einen neuen Zahnarzt. Die letzten Erfahrungen hier, waren einfach nur schrecklich, was die Behandlung anging. Was jedoch schön war ist, dass gut damit umgegangen wurde, dass ich jedes Mal den Plüschesel Lila dabei hatte.

Was jetzt noch gemacht werden musst ist eine Krone, für die ich momentan kein Geld habe. Ich hoffe, dass für sowas vielleicht auch das Geld vom Fond sein könnte, falls es bewilligt werden sollte. Gestern suchte ich nach neuen Zahnärzten, schaffte es aber nicht dort anzurufen. Auch wenn ich die Dinge wie Arztbesuche nun mache und auch die Zähne in einem besseren Zustand sind, ist es nach wie vor ein Kampf dort hin zu gehen.  Montag werde ich es wieder versuchen. Das sind auch Folgen, die passieren. Von außen würde niemand sehen, in was für einem schlechten Zustand meine Zähne mal waren, nur ein Zahnarzt, wenn er genauer reinschaut. Ich weiß es aber und meine Zähne spiegeln mir meinen Lebenskampf wider.

Spurensuche

Mal wieder. Ich habe eine neuere Freundin gefragt, mit der ich mir in der letzten Klinik ein Zimmer teilte und sie seither fast wöchentlich sehe, ob ihr etwas aufgefallen ist an mir. Sie erzählte, dass ihr auffällt dass meine Mimik sich manchmal stark verändert und irgendwie sehr anders ist. Das ist aber bei Dissoziation auch so, da zeige ich so gut wie keine Mimik. Als ich fragte ob ihr an der Tonlage oder dem Sprechen etwas auffällt, konnte sie dazu nichts sagen, da sie Hörgeräte trägt und meinte ihr würden solche Unterschiede dadurch nicht auffallen. Sie gab mir letztens ein Buch wieder und sagte, dass sie das was ich dort markiert hatte total gut fand. Dabei konnte ich mich nicht daran erinnern etwas markiert, oder gelesen zu haben. Aber auch das hat eine Erklärung ich vergesse unheimlich viel, schon immer. Das ist nichts neues.

Heute schenke ich mir einen Tag an dem ich niemanden treffen muss. Einfach nur einen Tag für mich.

Schwierige Worte

Die Worte meiner Therapeutin hallen in mir nach und lösen etwas aus. Die Intention war vermutlich eher die realistische Einschätzung meiner Situation, da ich ja zeitweise wenig von Traumasachen mitbekomme und denke, es wäre doch alles okay und man müsste die ganzen Auswirkungen nicht erwähnen, da ich nicht darunter leide. Dass ich unbeschwert leben möchte und das nicht in den Fokus rücken, im Kontakt zwischen S. und mir. Meine Therapeutin erwiderte darauf, dass es aber meinen kompletten Alltag beeinflusst und es eine große Rolle in meinem Leben spielt. Und es vielleicht gut wäre ihn in einige Sachen mit ein zu beziehen, anstatt so viel fern zu halten. Und dann sagte sie, dass es ja eh schön sei, dass er dafür so offen ist und vielen Menschen es ja auch einfach zu viel wäre. Es stimmt und trotzdem macht es mich scheiß wütend. Ich bin doch nicht weniger liebenswert, nur weil mein Leben so verlaufen ist, wofür ich NICHTS kann, dass es mir passiert ist. Als müsste ich noch irgendwie dankbar sein, so als lädierter, traumatisierter Mensch, der eh zu viel für jeden ist. Und sich dann mal einer mit mir erbarmt und da bleibt. Wuhu, danke, zu gütig. Als hätte ICH Lust diesen Scheiß mit zu bekommen und irgendwelche Zustände in mir drin. Aber ich bin halt dafür verantwortlich. Und andere können wählen, ob sie sich damit konfrontieren wollen, oder eben gehen. Das kann ich nicht. Na gut, ich will auch häufig nichts davon mitbekommen und leugne, aber kann ja trotzdem nicht davor weglaufen.

Körperliche Reaktionen auf Trigger/Flashbacks

Vorgestern gab es einen starken Trigger. Den Tag kenne ich nur in Filmausschnitten, wie vorgespult und an manchen Stellen angehalten. Nicht so richtig da. Nach dem Trigger folgte Übelkeit und nicht mehr wissen wo man ist. Es half mich zu orientieren. Das Gesicht meinen Gegenübers genaustens zu studieren, der mir eine Wärmflasche machte und ganz ganz ruhig blieb. Das hat noch mehr ausgelöst. Dadurch wurde nochmal Innen bewusst wie kaputt manche Situationen früher abgelaufen sind. Auch wenn es häufig geleugnet wird. Realisieren von etwas. Den ganzen darauf folgenden Tag gestern lebte ich verschwommen. Letzte Woche hatte ich Probleme vor Dissoziation überhaupt richtig sehen zu können, sodass ich bei meiner Therapeutin fast gegen die Wand, anstatt durch die Tür lief. Es sind dann nicht nur die Momente schlimm, in denen wieder erlebt wird, sondern auch danach fühle ich mich als hätte ich die Grippe. Mit höllischen Kopfschmerzen bin ich aufgewacht und jede Faser meines Körpers tut weh. Wie kann das sein? Wie kann sich das so sehr auf meine körperliche Verfassung auswirken, wenn es „nur“ ein wieder erleben durch einen Trigger war. Gleich werde ich baden gehen und hoffen, dass sich dadurch etwas Anspannung löst