Dissoziationslevel 3000, wenn man statt Puder, Rouge ins Gesicht pinselt, zu einem späteren Zeitpunkt in den Spiegel schaut, und einem eine Orange entgegen blickt. 🍊

Ich so: „Also irgendwas ist anders!“

Trauma und Sexualität

Ich frage mich, ob ich irgendwann einen Umgang damit finde, der schön für mich ist. Es nicht als Selbstverletzung nutze, dissoziiere, oder wie sage ich das am besten auf Sex konditionierte Anteile in mir anspringen. Heute wurde ich gefragt wie mein bisheriges Sexleben war. Was soll ich dazu sagen? Meistens relativ schrecklich. Und Erinnerungen habe ich nur wenige. Einige Gute sind zum Glück auch dabei. Freundinnen in meinem Alter reden ganz offen darüber. Leben ihre Sexualität aus und ich weiß noch nicht mal was für eine Sexualität ich habe. Wenn man mich fragen würde „was magst du?“ Ich weiß es nicht. Lange Zeit wird auch A Sexualität gelebt. Nichts existent. Keine Bedürfnisse. Keine Auseinandersetzung damit.

Was ich jedenfalls weiß ist, dass der Partner dabei eine große Rolle spielt. Eine stabile Beziehung. Gute Einhaltung von Grenzen. Für sich einstehen. In der Theorie weiß ich das, fühle mich aber trotzdem als würde ich, wenn ich mich damit auseinandersetzen, ein Buch mit schwierigen Matheformeln studieren. Mathe lag mir noch nie sonderlich. Was mir auch auffällt ist, dass die Entwicklung da irgendwo stehengeblieben ist. Wenn ich gefragt werde, welche Vorlieben habe, weiß ich darauf keine Antwort. Ich weiß, wie man funktioniert, das hat aber nichts mit wollen oder Vorlieben zu tun.

(Ab hier Triggerwarnung)

Ein weiteres Kapitel sind die Trigger in sexuellen Situationen, selbst dann wenn es gewollt ist. Da kann kann nur eine bestimmte Berührung dazu führen, Flashbacks, oder Körpererinnerungen auzuslösen. Bei mir ist es bisher fast immer so. Nach dem Sex, so wie sich der Körper dann anfühlt, kippt es irgendwann und Stimmen werden aktiv, die sagen, dass ich ein missbrauchtes Stück Scheiße bin, oder die Person eh nur meinen Körper wollte und jetzt, nachdem sie bekam was sie wollte macht über mich ausüben wird, oder gehen wird. Es löst aus, dass ich mich in anderen Welten befinde, nicht mehr unterscheiden kann wie alt ich gerade wirklich bin, wo ich bin, oder welche Zeit ist. Selbstverletzungsimpulse sind da, oder brechen unkontrolliert durch, um das Köpergefühl auszuhalten. Dazu kommen Suizidgedanken und Körperschmerzen. Das ist der Preis dafür zu versuchen positive Erfahrungen als Gegenwicht zu machen. Was letztendlich bleibt ist die Frage, ob es immer so bleibt. Bisher ist fast jede schöne Erfahrung danach zu einer schlechten Erfahrung geworden, durch den Trigger, sich überhaupt wieder auf diese Ebene zu begeben. Der Preis ist hoch. Von Innen werde ich abgewertet, diese Bedürfnisse nach Sex und Nähe überhaupt zu haben. Vielleicht ist es einfach noch zu früh, doch das macht mich unendlich traurig. Es wurde mir so viel genommen und die Auswirkungen spüre ich jeden Tag. Ich möchte es zurück.

Der Funktionsmodus

Als meine Bezugsbetreuerin meine Wohnung betritt, stellt sie überrascht fest „Wow, du hast dich aber schnell wieder daraus gezogen, dafür, dass es dir, als wir gestern nach dem Vorfall telefonierten, so schlecht ging“ Ich zucke nur müde mit den Schultern, lächle und sage: “ Ja, das ist bei mir so. Ich bin ein Stehaufmännchen.“

Macht es die Grenzüberschreitung dadurch weniger schlimm, oder weniger übergriffig? Nein. So geht mein Gehirn mit solchen Dingen um. Es macht „klick“, und dann wird wieder weiter gemacht, als wäre nichts gewesen. Es wird ganz vergessen, um mit der Person noch Kontakt haben zu können, oder die Erinnerung als „harmlos“ eingestuft. Das ist meine Art mit belastenden Ereignissen umzugehen, weil ich das musste.

Einmal gab es in einer Klinik einen Vorfall, da war ich am Ende im Pflegezimmer, aufgelöst, suizidal, weinend, wimmernd – nach einiger Weile wieder dieses „klick“ – anderer Modus. Tränen wegwischen, sagen es geht wieder, sich bei dem völlig verdutzten Pflegepersonal bedanken, rausgehen und weiter machen, als wäre nichts passiert. Die Situation erinnere ich nicht, die davor war. Das ist mehr die Regel, als eine Ausnahme.

In diesem Modus gibt es keine Gefühle. Keine Trauer, keine Enttäuschung, keine Wut, kein Bedauern, keine Scham – keine belastenden Erinnerungen. Es wird rational funktioniert, Anträge ausgefüllt, mit der Krankenkasse telefoniert, die Wohnung sauber gemacht. etc. Die anderen verletzten Puzzleteile in mir werden verdrängt und abgeschirmt. Die Puzzleteile mit den Gefühlen und Erinnerungen.

Es ist ein Überlebensmodus. Nichts wofür es ein Kompliment braucht, dass es da ist. Dass es toll ist, wie schnell ich wieder klar komme. Das ist ein Mechanismus der ausgelöst wird und alles andere verdrängt. Es ist trotzdem noch da, nur nicht mehr greifbar. Es ist gut, dass das mein Überleben gesichert hat und noch sichert. Es ist aber eher ein trauriger FAKT, dass sich das entwickeln MUSSTE, damit ich weiterhin existieren kann. Komplimente oder Bewunderung dafür zu bekommen, fühlt sich nicht richtig an. Gesund wäre, die Gefühle fühlen zu können und nicht abzuspalten.

Die potentielle neue Mitbewohnerin

Als wir sie zum ersten Mal letzte Woche trafen, waren meine beste Freundin, mit der ich zusammenlebe und ich total geflasht. Sie schien vor positiver Energie zu sprühen und auch sonst schien sie ziemlich gut zu uns zu passen. In der Anzeige schrieb ich schon, dass uns ein wertschätzender, respektvoller Umgang, sowie Ordnung, Sauberkeit, ruhige Lautstärke, auf einander Rücksicht nehmen wichtig ist. Das schien erstmal kein Problem. Wir sagten ihr also euphorisch zu. Nach den Zusage veränderte sich etwas und als sie mich anrief um zu fragen, ob sie schon früher einziehen könnte und ob sie Möbel von uns in ihr neues Zimmer stellen könnte, wirkte sie irgendwie anders. Meine feinen Sensoren schlugen Alarm. Auch auf ein weiteres Treffen wollte sie sich erstmal nicht einlassen, da sie dafür angeblich keine Zeit hatte. Kam uns dann aber doch entgegen. Ich hatte ein ganz ungutes Gefühl in der Magengegend. Heute kam sie dann zu uns und auf einmal war ihr „sich ausleben wollen und nicht einschränken müssen“ wichtiger, als die Dinge, die in der Anzeige zur Wohnung standen. Ich war irritiert, sie bewarb sich doch bei uns und nicht umgekehrt? In der Stadt in der ich wohne sind WG Zimmer begehrt und es mangelte uns auch nicht an der Anzahl von Bewerbern. Als nächstes drehte sie sich zu mir. Sie wusste, dass ich gesundheitlich Probleme habe und deswegen mehr zu Hause bin. Sie sagte „nimm’s nicht persönlich, aber ich habe Sorge mich wegen dir einschränken zu müssen und dass du sehr negativ bist durch das Gesundheitliche“ Ich wusste gar nicht wie ich darauf reagieren sollte. Wenn ihr das Probleme bereitete, warum wollte sie dann bei uns einziehen? An Teile erinnere ich mich nicht mehr genau, aber es wurden viele Fragen gestellt zu meiner Gesundheit, auf die ich nicht antworten wollte. Meine Freundin erwähnte dann auch noch, dass ich getriggert werde wenn jemand laut Sex in der Wohnung hätte und wie sie damit umgeht. Somit outete sie mich als sexuelle traumatisiert. Ich hatte das Gefühl auf einmal wurde über mich als Pflegefall gesprochen. Das kaputte Dinge, mit dem es schwer ist zusammen zu leben. Ich empfand es von beiden als massive Grenzüberschreitung, denn das ging sie nun wirklich nichts an. Zitternd verließ ich den Raum.

Was bleibt ist das Gefühl das kaputte Ding zu sein, mit dem niemand zusammenleben kann. Am liebsten würde ich meine Sachen packen und abhauen. Von meiner Freundin war ich gestern schon so schwer enttäuscht. Das ist gerade alles viel zu viel. Ich fühle mich hier gerade nicht mehr wohl und sicher. Jetzt geht es erstmal mit Kuscheltier in der Tasche zu einer Freundin, die genau so etwas nachempfinden kann, da sie selbst komplex traumatisiert ist. Dort finde ich hoffentlich ein wenig Unterschlupf und kann einfach sein…

Die Scham über kindliches Verhalten/kindliche Bedürfnisse

All das Bedürftige, was ich niemals zeigen würde, kommt dort zum Vorschein. So verletzlich, so zerbrechlich. Gestern wurde die Freundin um Hilfe gefragt – sie lehnte ab. Das löste große Not und Weinen aus. Heute sagte mir die Freundin, wie schlecht sie es fand, dass ich sie mit in die Entscheidung mit einbezog, ob ich auf dem Flohmarkt noch bleibe, oder gehe. Erinnere Bruchstückhaft. Ich weiß, dass gestern viel hin und her gesprungen ist. Es war viel los im Innenleben. Und am Ende des Tages überwog das Gefühl nicht gewollt zu sein und sich verstecken zu müssen. Das erinnert mich an dieses Verhalten sich in Ecken zu verkriechen und dissoziativ auszuharren. Ich frage mich, ob das daher kommt? Das Gefühl muss sehr schrecklich sein. Als die Freundin mich damit konfrontiere, dass sie es schlecht fand, dass ich sie mit einbezog, merkte ich schon wie die Augen starr wurden und ich dissoziierte. Noch etwas anderes wollte sich durch kämpfen. Wieder diese kindliche Trauer von gestern. Ich hörte noch wie die Freundin sagte, dass es ihr eigentlich ziemlich egal gewesen wäre, ob ich noch dort war, nur das zusammen aufbauen wäre ihr wichtig gewesen. Das war war wohl ein großer Trigger. Sie erklärte, dass sie deshalb gestern so grob zu mir war nach dem Flohmarkt. Daran erinnere ich mich nicht mehr, erklärt aber den Zustand, der gestern war. Ich schaffte es noch auf zu stehen und zu sagen, dass ich jetzt mir eine Wärmflasche mache. Oft schäme ich mich, wenn so etwas durch bricht und ich hatte Sorge, dass ich auf einmal vor ihr und ihrer Schwester anfange zu weinen, oder mich in einer Ecke verstecken würde. Dass ich keine Kontrolle mehr hätte. Es löst große Scham aus, dass so etwas überhaupt existiert und dann fühle ich mich so böse. Ich merke einfach, dass es nicht erwünscht, oder akzeptiert ist und will dann wieder noch mehr verstecken. Sonst klappt es doch auch so gut. Ich frage mich warum gestern so viel ausgelöst wurde. Die letzte Nacht wurde mit Kuscheltier geschlafen und auch diese wird es das wieder geben. Ich möchte mich gar nicht dafür so schämen, dass dieses kindliche Verhalten  in mir existiert. Ich habe selbst gerade so große Berührungsängste damit.

So will dich keiner

Niemand will mich da haben. Das unerwünschte Kind. Das Kind mit den tiefen, tiefen Emotionen. Wenn ich komme gehen sie. Immer allein. Immer allein. Was erwünscht ist, ist das lachende Kind. Lach! Niemand will dich wenn du eine Schnute ziehst, oder rumweinst. Lach! Und schon gar nicht wenn du im Hilfe fragst. Wie kannst du. Wie kannst du es wagen. Wein für dich. Still und heimlich. Verschlossene Zimmertür. Verdunkelte Vorhänge. Diese Seite will niemand sehen. Diese Seite darf niemand sehen. SchmerzSchmerzSchmerz ist alles was ich kenne. Immer verstecken. Los, wieder verstecken. Das will niemand sehen. Allein. Immer allein.

Ich will so nicht leben müssen

Heute habe ich zusammen mit einer Freundin und ihrerer Schwester auf einem Flohmarkt verkauft. Die menschliche Interaktion war nach ungefähr einer Stunde so überfordernd, dass ich dissoziierte. An die letzten zwei Stunden des Flohmarkts kann ich mich nur noch Fetzenweise erinnern. Meine Freundin nahm im Gegensatz zu mir sehr viel Geld ein. Mir wird so oft gesagt „sich vergleichen bringt nichts“, aber das hier muss einfach mal raus. Sie hatte keine Mühe damit Smalltalk zu machen, brauchte kaum Pausen. Ich ungefähr fünf. Sie hat eine sie liebende, unterstützende Familie. Die sie auch finanziell trägt. So etwas wie Geldsorgen hatte sie noch nie. Zurzeit muss ich echt besonders sparsam sein. Es ist echt schwer und frustrierend. Ich fuhr also dissoziativ mit meinen Sachen nach Hause. Funktionsmodus sei Dank. Seit ich zu Hause bin, könnte ich einfach nur heulen. Ich bin so unglaublich überfordert und werde noch den ganzen Abend damit verbringen mich auf ein einigermaßen erträgliches Level zu regulieren, bevor ich wieder etwas unternehmen, ja geschweige denn mit meiner Umwelt interagieren kann. Vermutlich den nächsten Tag auch noch. Sie packt alle Sachen aus, während ich im Bett hänge und mich kaum bewegen kann. Alles tut so unglaublich weh. Wie muss es wohl sein dann immer noch zu funktionieren? Auf einem angenehmen Level zu bleiben?(oder überhaupt zu sein?) Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, wie es gerade bei mir ist und ich empfinde es als scheiß ungerecht. Unfair. Zu hören, dass ich mich nicht vergleichen soll macht das Gefühl gerade auch nicht besser, oder geht davon weg. Das alles habe ich mir nicht ausgesucht. Das will ich nicht. WARUM MUSS DENN IMMER ALLES SO SCHWER SEIN?!

Ist die Tür erst einmal geöffnet

Ich stehe an der Kasse und werde mit Bildern überflutet. In der Therapie musste ich für die Beantragung und das Schreiben der Therapeutin grobe Details nennen. Ein Bild spielt in Endlosschleife. Übelkeit. Mehr Bilder kommen. Dinge die ich nicht mehr wusste. Wenn Tür zu diesen Themen erst einmal geöffnet ist zwängen sich auch noch andere Erinnungsbruchstücke empor. Blitzen auf. Körpererinnerung gesellt sich dazu. Ich habe das Gefühl kurz vor einem Blackout zu stehen. Zack hinfallen und Ruhe im Kopf. Schwärze. Aber nein meine Beine laufen weiter. Es wird bezahlt, geredet, Einkäufe eingepackt. Wie ist das möglich. Ich schaue aus der Ferne zu. Da wo ich bin ist eine andere Zeit. Bitte bringt mich jemand nach Hause. Bitte mach die Tür wieder zu.

Rufmord – dem Opfer glaubt niemand

Das Opfer als unglaubwürdig da stehen lassen. Wenn es danach gehen würde hieße es: Dem „Opfer“ glaubt niemand. Was alleine Anführungszeichen für eine Macht haben.

In meinem Fall ist es so, dass ich dem was passiert sein soll, oft selbst nicht glaube. Dass ich Opfer von etwas wurde. Ich denke dann, dass ich mir alles nur ausdenke. Auch wenn mir im Innen Bilder gezeigt werden. Dann werden auf einmal andere Worte präsent wie:

„Lügnerin. Wer glaubt dir schon. Eine Schlampe, die es eh mit jedem macht. Du wolltest das doch. Psychisch krank. Der kann man eh nichts glauben. Die ist so kaputt. Oder: ICH habe ja nur versucht sie zu retten, jetzt verbreitet sie Lügen über mich. Ich hoffe, sie bekommt die Hilfe, die sie braucht.“

Das sind nur einige der Sätze, die innerlich in mir existieren. Die ich im Laufe meines Lebens gesagt bekommen habe, oder die über mich verbreitet wurden. Gründe warum ich niemals eine Anzeige machte. Weil ich mir selbst nicht traue. Diese Sätze teilweise auch glaubte und immer noch glaube. Teilweise auch täterloyale Anteile existieren. Wie soll man so eine Aussage machen?

Ich frage mich, ob die Täter genau wissen, dass sie etwas falsches taten und deswegen diesen Rufmord betreiben. Um vor zu sorgen, dass selbst wenn ich den Mund aufmachen sollte, mir niemand glauben würde.

Meine Therapeutin nennt es eine zusätzliche Traumatisierung, dass dadurch für mich ein Spießrutenlauf begann. Zu Hause nicht sicher. In der Schule nicht sicher. Von allen Seiten hallten die Worte „Nutte, Schlampe etc….“ Es verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Mein Name war gebrandmarkt. Ich war es ohnehin schon. Doch anders als alle durch die Gerüchte die verbreitet wurden dachten.

Ich denke an mich in der Schule als junges Mädchen. Wie ich gemustert wurde von allen. Wie über mich getuschelt wurde. Wie diese Lügen über mich verbreitet wurden, bis ich sie selbst glaubte. Bei einem Projekt für die Schule nahm ich zur Untermalung der Thematik ‚Selbstverletzung‘ ein weißes Plakat, malte meine Hände rot an und bedeckte es mit meinen „blutigen Handabdrücken“. Für das Referat bekam ich eine Eins. Nur das Plakat sollte nicht in der Klasse aufgehängt werden. Zu verstörend.

So war es damals, so ist es heute. Der letzte Missbrauch liegt erst über ein Jahr zurück. Oder ist es schon länger? Ich weiß es nicht genau. Auch da, Täterloyalität. Ich, „die psychisch Kranke, die sich alles nur ausdenkt“ So jemandem glaubt man doch eh nicht. Wer sagte das zuerst. Er oder mein Kopf?