Traumatherapie – die Kliniksuche

„Ich kann gerade keine Klinik suchen, weil ich nicht denke, dass es ausreichend Gründe für eine Traumatherapie gibt. “ Meine Therapeutin schaut mich an und erwidert geduldig lächelnd „wenn sie wüssten, wie häufig ich diesen Satz höre. Ich sehe bei Ihnen genügend Gründe. Außerdem wären sie ja sonst auch nicht in der anderen Klinik aufgenommen worden. Das ist ein Fakt.“ Darüber muss ich erst einmal kurz nachdenken und sage dann: „Aber meine beiden jüngeren Schwestern waren gerade mit meinem Vater im Skiurlaub. Auf Socialmedia habe ich die Bilder gesehen. Eine glückliche Familie zu der ich einfach nicht gehöre. Vielleicht stelle ich mich einfach nur an. Ich meine, die beiden WOLLEN ja sogar Kontakt zu meinen Eltern und fahren sogar zusammen in den Urlaub…“ Auch darauf hat meine Therapeutin eine Antwort: “ Was ich von ihren Schwestern gehört habe, verdrängen diese viel mehr und schützen auch ihre Eltern. Deswegen haben die beiden auch weniger Kontakt zu Ihnen und wollen nichts von ihrem Leben wissen. Das passt nicht in eine Realität. „

Okay. Bewusstmachen. Durchatmen. Gut, vielleicht gibt es Gründe, die ich gerade einfach verdränge und bagatellisiere. Fakt ist, dass mein Leben sehr beeinträchtigt ist. Und es gibt ja auch keine Traumafolge Symptome ohne Trauma. Warum ist es so schwer diesen Fakt an zu erkennen, dass ich traumatisiert bin, so kurz vor der Traumatherapie? Das war doch sonst nicht das Problem.

Also wage ich einen Versuch und schaue im Netz nach den Kliniken, die mir empfohlen wurden. Mit Schrecken stelle ich fest, dass die Klinik, bei der ich mich melden wollte für Privatpatienten oder Selbstzahler ist. Somit keine Option mehr. Die Suche geht weiter. Mit viel Mut wende ich mich dem Thema wieder zu. Bereit hin zu schauen. Es geht weiter.

Therapieerfolg – Was, wie bitte?

Mein letzter Eintrag handelte davon, dass ich kaum motiviert bin was die Therapie angeht. Dass ich das Gefühl habe im Leerlauf zu sein. Einfach nicht weiter zu kommen. Letzte Woche habe ich viel den Verlust der Beziehung zu meiner besten Freundin betrauert, so wie sie einst war und war deshalb sehr nah am Wasser gebaut. Selbst bei den kleinsten Anlässen stiegen mir die Tränen in die Augen. Ich kommunizierte mit Anderen über diese Gefühle und dachte jetzt würde wieder ein tief kommen, nachdem ich einen Essanfall hatte. In der Therapiestunde sagte mir meine Therapeutin dann, dass das ein Therapieerfolg sei. Ich fühle. Ich lasse die Gefühle zu anstatt sie abzuspalten, ebenso die Erinnerungen an meine Freundin. Stattdessen trauere ich. Auch als ich darüber sprach mich verlassen, vergessen und ungewollt zu fühlen stiegen mir wieder die Tränen in die Augen. Es sei zwar ein alter Film, doch auch etwas Aktuelles meinte meine Therapeutin. Dass es okay ist zu weinen. So weit bin ich aber noch nicht. Vor anderen zu weinen geht einfach nicht. Wir sprachen über meinen Wunsch nach einer Katze. Meine beste Freundin möchte keine Haustiere. Für meine Psyche wäre es allerdings sehr hilfreich. Mein anderer Plan ist nun bei der Katzenauffangstation ehrenamtlich zu arbeiten. Ich hoffe nur ich verkrafte es, dass die Katzen, die mir vermutlich ans Herz wachsen werden, vermittelt werden.

Mein Gehirn arbeitet gegen mich

Seit ich aus der Klinik entlassen wurde funktioniere ich nur noch. Und das funktioniert, weil alles verdrängt, bagatellisiert, oder sogar geleugnet wird. Ewige innere Monologe darüber, dass ich mich bloß anstelle und es eigentlich keinen Grund für eine Traumatherapie gibt. Also wird auch nach keiner Traumaklinik gesucht. Ich weiß um ehrlich zu sein nicht mehr, was ich glauben soll. Alles ist irgendwie so verdreht. Und dann kommt wieder ein Traumasymptom, dazu dysfunktionales Verhalten als Strategie damit klar zu kommen, so wie gestern und ich frage mich woher das dann kommt wenn man sich alles nur einbildet. Vielleicht indem man sich das jahrelang eingeredet hat? Dabei wusste ich ja lange Zeit nicht mal was Dissoziation überhaupt ist. Wie kann das sein und gleichzeitig nicht sein? Da ist doch irgendwas verquer. So lange lief es was die Motivation an ging sehr gut. Warum fällt es so schwer bei den neu gelernten Verhaltensweisen zu bleiben? Irgendwie herrscht gerade keine Einheit in mir. Ich sabotiere meinen Therapieprozess. Klar Rückfälle gibt es immer, doch gerade ist irgendwas anders. Die Motivation ist kaum noch da. Zurzeit erschöpft mich einfach alles und selbst wenn ich schlafe fühle ich mich danach wie erschlagen. Ich möchte nicht mal sterben, nur ist mir leben gerade auch eine Nummer zu hoch. Deswegen existiere ich, funktioniere ich, verdränge ich. Das ist aber nicht das, was ich ursprünglich mal wollte. Ich laufe im Leerlauf.

verschwommene Welt

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grelle, verzerrte Farben blenden mich
alles was ich sehe, ist verschwommen
unwirklich, alles ist unwirklich
Meine eigenen Hände werden zu denen eines Fremden
Wort sind Lärm in meinem Kopf -
ergeben keinen Sinn
hol mich zurück in die Realität
zeig mir wirkliche, klare Farben
Ich habe vergessen, wie sie aussehen
wusste ich es jemals?
schon immer "geistesabwesend"
nie ganz da
eine Tagträumerin
Ich erträumte mir neue Welten 
um meiner Realität zu entkommen
deswegen sehe ich heute so verschwommen
so unwirklich
darum ist alles um mich herum zu laut
nie habe ich gelernt wieder zurück zu kommen
in die Realität
ob ich das wirklich will, 
das weiß ich nicht
wenn die verschwommenen Farben ein Bild ergeben
tut es meist weh
die verschwommene Welt ist mein Schutz

Ich wäre gerne schlagfertiger

Heute ist so ein Tag, an dem ich gerne schlagfertiger wäre. Nicht so angepasst und lieb. Die, mit der man umgehen kann wie man will, da sie keine Miene dabei verzieht. Ich frage mich immer wieder wie fremde Menschen so zu anderen, ihnen fremden Menschen sein können. Damit hatte ich heute zwei unterschiedliche Erfahrungen.

Die erste Situation war mit der Frau am Empfang der deutschen Rentenversicherung. Den Antrag dazu mit dem ca. 60 Seiten hatte ich gestern komplett durchgearbeitet und wollte ihn nun dort persönlich abgeben um eine Bestätigung für die Beantragung zu erhalten. Gefahren und begleitet wurde ich von meiner neuen Betreuerin, welche allein heute schon eine riesige Unterstützung für mich herausstellte als mich die Frau am Empfang von Anfang an anbellte, als wäre ich schwer von Begriff. Ich blieb ruhig, es wurde automatisch geantwortet, Tränen kämpften sich empor. Getriggert. E. Meine Betreuerin sagte dann, dass es ja wohl auch etwas höflicher gehen würde. Sagte das, was ich in dem Moment nicht konnte. Das tat sehr gut. Jemand der mit mir meine täglichen Trigger-Schlachten kämpfte. Ich schaffte es mir schnell einen Ingwer Bonbon in den Mund zu stecken und auch danach redete E. Lange mit mir über die Situation, was es absolut erträglich machte. Nach langem Warten ging sie erneut hin, als ich schon gehen wollte. (nie im Leben wäre ich nochmal zu ihr gegangen und hätte alles per Brief und viel umständlicher gemacht um bloß nicht wieder mit der Frau in Kontakt kommen zu müssen. ) Wir hatten beobachtet wie sie auch die Menschen nach uns zusammen faltete. Manche gingen danach direkt. Zu E. War sie ganz plötzlich sehr freundlich und gab uns die Bestätigung für die Einreichung der Unterlagen. Ganz ohne Termin. Das triggerte mich noch mehr. E. fragte abschließend noch nach ihrem Namen um sich morgen über ihr Verhalten zu beschweren. Etwas was ich immer wollte, aber nie den Mut oder die Kraft für hatte. Und für die Dinge, für die ich gerade keine Kraft habe, bekomme ich nun Unterstützung. Das war heute eine ganz wundervolle Erfahrung. Hilfe zu bekommen und auch annehmen zu können. Oft dachte ich nicht „krank“ genug zu sein um diese Form von Hilfe zu bekommen. Es fühlt sich an wie die Krücke für meine psychischen Beeinträchtigungen.

Die zweite Situation war am Ende der Schreibwerkstatt für Frauen, die ich heute zum ersten Mal besuchte. Als ein Text vorgelesen werden sollte, wies die Verfasserin darauf hin, dass im Gewalt handeln würde und ziemlich grob sei und ob das für jemanden schwierig werden könnte. Ich traute mich zu sagen für mich, da ich eh schon belastet durch den Tag war und keine Lust hatte getriggert mich nach Hause zu schleppen. Trigger potential? Nein danke, aber danke für die Rücksicht. Eine Frau, die anscheinend schon oft dort war sagte, dass in solchen Fällen die Frauen in den Nebenraum gingen. Das tat ich also und alles schien okay. Der Text wurde gelesen, besprochen, ich wieder herein geholt. Ich bedankte mich bei der Verfasserin für die Rücksicht und die Vorwarnung. Die andere Frau, die vorher das mit dem Nebenraum sagte, drehte sich zu mir und meinte plötzlich „ist immer nicht so optimal wenn einer die Gruppe verlässt… “ Ich stammelte daraufhin – bemüht die Tränen zurück zu halten – dass ich da zurzeit auf mich achten muss. Dabei hätte ich mich nicht mal rechtfertigen müssen. Ihr Kommentar war überflüssig. Im Nachhinein hätte ich gern gesagt: „Getriggert zu werden ist auch nicht optimal.“ und mehr nicht. Vielleicht schaffe ich das eines Tages. Wenn E. es mir noch etwas vorlebt. Ich bin so darauf bedacht die Gefühle Anderer nicht zu verletzen, dass ich meine eigenen dabei vollkommen übergehe. Dieses anerzogene Übel möchte ich ändern. Mehr und mehr für mich einstehen.

Großstadt

Du sagtest, du könntest niemals in einer Stadt wie dieser leben.

So laut, dreckig, überfordernd.

Ich wollte so weit wie möglich weg von dir. An einen Ort, an dem mich nichts an dich erinnert.

Dass du diesen Ort nicht magst, macht ihn umso mehr zu meiner Heimat auf Zeit.

Nichts erinnert mich an die Stadt, in der ich aufwuchs. Selbst die Häuser und Straßen sehen anders aus.

Arabische, laute Großfamilien an der Supermartkasse. Fremde Speisen – fremde Sprachen.

Hier fühle ich mich wohler. Nichts erinnert mich an dich.

Wenn ich hier bin höre ich das laute, dreckige und überfordernde in mir selbst nicht mehr.

Der bittere Beigeschmack bleibt

Lästig dieses menschliche Bedürfnis nach Kontakt. So gern wäre ich ein Einsiedlerkrebs und müsste mir keine Sorgen mehr darum machen, dass Menschen wieder nur enttäuschen. Dass ich es einfach nicht schaffe langfristig an das Gute zu glauben, oder zu vertrauen. Einfach weil es immer wenn es besser zu werden scheint mich kalt erwischt und erneut in die Knie zwingt. Mittlerweile weiß ich zumindest, dass alles sich verändert, wenigstens darauf kann ich vertrauen. Und ich kann nur einen kleinen Teil davon beeinflussen und zwar wie ich mich verhalte. Wie eine andere Person denkt und handelt, kann ich nicht beeinflussen. Die stabilste Beziehung war seit zwei Jahren die Beziehung zu meiner besten Freundin, doch seit sie einen neuen Partner hat, scheine ich nicht mehr zu existieren. Der Kontakt ist förmlich geworden und lieblos. Das triggert so stark. Vor einigen Tagen hatten wir ein Gespräch darüber, bei dem ich mit den Tränen kämpfte. Sie sagte meine Unsicherheit in allen Bereichen würde sie provozieren. Bam. Das tat so weh. Ich erklärte ihr erneut, dass ich einfach einen ganz anderen Hintergrund habe. Für jede meiner Entscheidung muss ich alleine die Konsequenzen tragen. Finanziell, sozial, existentiell… Ich habe keine reiche Familie, die hinter mir steht und bin deswegen oft unsicher. Eigentlich weiß sie das alles. Sie sagte sie hatte in der letzten Zeit das alles nicht mehr berücksichtigt und hatte auch keine Lust meine Perspektive verstehen zu wollen, da sie gerade lieber etwas egoistischer ist und sich nur um sich kümmert. Ich meine, ich bin ja schon wirklich viel Schmerz gewöhnt und rechne auch immer wieder damit, dass Menschen sich so sehr verändern, bis man sie kaum noch erkennt. Doch warum tut das immer noch und immer wieder so verdammt weh? Wir wollen eigentlich demnächst in eine neue Wohnung ziehen. Eigentlich nur wir zwei, aber im Grunde würde ich dann mit einem Pärchen zusammen wohnen. Und er triggert mich massiv. Am liebsten würde ich gerade alles abbrechen und irgendwo auf’s Land ziehen. Raus aus der lauten, überfordernden Großstadt. Allerdings bin ich auf meinen Therapieplatz angewiesen. Meine Therapeutin reagierte auf diese Idee mit einem Schmunzeln und meinte sie hätte das schon öfter von Patienten gehört. Ich habe Flucht- und Vermeidungsdrang.

Mein Einzelkämpfermodus ist wieder angesprungen. Schutzschilde hoch. Auf keinen verlassen – keinem vertrauen. Wie soll man alte Glaubenssätze auch erneuern, wenn sich die alten immer wieder als wahr heraus stellen. Ich lebe doch nicht in Illusionen und am Ende mit dem Messer im Rücken. Nein danke, da passe ich schon auf. NICHT-MEHR-MIT-MIR. Fuck ich hab auch etwas das sich Würde nennt und bin kein Spielzeug, das man in die Ecke werfen kann wenn man das Interesse verliert.