Where is my mind?

Ich weiß nicht wo mein Kopf ist, im Hier und jetzt jedenfalls nicht. Dadurch, dass ich viel in alten Gefühlen und Filmen stecke ist das Gefühl für Zeit total aus dem Gleichgewicht. Ich würde ja drüber lachen, wenn es sich nicht so anfühlen würde, als würde ich gerade massiv die Kontrolle verlieren. Letzte Woche stand ich vor der Tür des Arztes und klingelte mehrmals. Und mehrmals wurde mir gesagt, sie hätten noch nicht auf. Bis mir selbst auffiel, dass ich eine Stunde zu früh war. Die Blicke und Kommentare der Arzthelferin waren Stiche in meine eh schon sehr verletzliche Brust. Heute stand ich dick angezogen vor meiner Haustür. Wartete. Und wartete. Und wartete. Doch meine neue Bezugsbetreuerin tauchte einfach nicht auf. Bis mir auffiel, dass ich eine Woche zu früh dran war.

All die Worte, die ich niemals sagte.

All die Tränen, die ich niemals weinte.

All die Menschen, die niemals blieben.

Alles was ich tat, das niemals genug war.

Alles was ich wollte, das ich niemals erreichte.

All der Schmerz, den ich niemals nach außen ließ.

All die Schreie, die niemals meinen Mund verließen.

All die Mühe, die niemals ausreichte.

All die Wege, die niemals zu einem Ziel führten.

Nachts aus dem Fenster steigen

Weg von hier

Einfach weg von hier

Laufen laufen laufen

Bis die Füße blutig sind

Die Lunge keucht und sticht

An einen anderen Ort

Wo alles ruhiger ist

Es ist zu laut hier

Ich kann nicht entkommen

vor mir selbst

Diesen lauten Gedanken entrinnen

Schlag mich nieder

Alles was ich will ist Schwärze

Ist das Nichts

Mach dass es aufhört

Und es hört nicht auf nicht aufzuhören

Ambivalenz -Der Schlag in die Magengrube

Ich kämpfe mit den Tränen, während ich diese ersten Zeilen schreibe. Die Ambivalenz meiner Eltern, insbesondere die meines Vaters raubt mir immer wieder den Atem. Aber nicht auf die gute Art und Weise, sondern eher so, wie es ein schlag in den Magen tut. Zwei Monate gab es keinen Kontakt bis auf ein verwirrendes Päckchen zu Weihnachten und den Besuch meiner Familie jede Nacht in meinen Träumen. Seit gestern versucht mein Vater mich zu erreichen. Das löst innerlich ebenso ambivalente Gefühle aus, wie der ambivalente Tanz aus Nähe und Distanz, welchen sie seit Jahren vollführen. Aus dem Nichts kommen diese Anrufe und Nachrichten, obwohl vorher so lange Funkstille herrschte. Ich schrieb meinem Vater soeben, dass ich zurzeit nicht telefonieren möchte und ob er etwas bestimmtes mit mir besprechen will. Nichts bestimmtes, nur wissen, wie es mir geht. Was? Warum auf einmal? Warum fällt ihm auf einmal wieder ein, dass er noch eine andere Tochter hat? Dieses Phänomen werde ich nie verstehen. Doch so wie ich früher noch dachte „vielleicht liebt er mich ja wirklich – jetzt wird alles anders“ weiß ich heute, dass dieser Geist so schnell wieder verschwindet, wie er gekommen ist. Die Frage wie es mir geht ist neu und verunsichert mich total. Ich habe keine Ahnung wie und ob ich darauf reagieren soll. Heute bin ich 25 Jahre und bin genauso verwirrt im Kontakt mit ihm wie damals als Kind. Vielleicht es mir bei meinem Umfeld deshalb besonders eine gewisse Kontinuität wichtig. Die ständige Überprüfung, dass die Person noch da ist. Da bleibt, auch wenn ich ihn oder sie gerade nicht sehe. Es gibt Menschen, die versuchen mir zu zeigen, dass Vertrauen sich lohnt. Mir jedoch fehlt das Urvertrauen um überhaupt zu vertrauen.

Nicht gesehen zu werden

Das ist gerade ein großes Thema. Mein Bezugs-Pfleger redete gestern mit dem Funktionsmodus und lobt immer die reflektierte, erwachsene Art. Das jedes Mal einem Messerstich gleicht. Was alles hinter diesem Funktionsmodus abläuft, wird dann häufig übersehen. Wenn dann eine andere Reaktion kommt wie gestern die Selbstverletzung, die von diesem Funktionsmodus abweicht, ist viel Unverständnis da. Mir wird das Gefühl gegeben, dass nur das Funktionierende da sein darf. Das gestern sehe ich heute wie eine Art Hilfeschrei, als ich Hilfe suchte und Protokolle ausfüllen sollte. Funktionieren. Etwas ist innerlich total abgedreht. Ich frage mich welche Not dahinter steckt so verzweifelt vielleicht die Aufmerksamkeit bekommen zu wollen, wenn das Leid vorher nicht gesehen wurde, obwohl es geäußert wurde. Ob es wohl an etwas von früher erinnert hat. Kurzzeitig wurde ich in die Zeit zwischen 12-13 zurück katapultiert. Ich sehe es jedenfalls und glaube, ich habe es auch verstanden.

Krisenzeit

Zurzeit folgt irgendwie eine belastende Sache nach der Anderen. Kaum bleibt Zeit sich wieder zu berappeln. Heute kontaktierte mich ein früherer Exfreund, über den schon im Zusammenhang mit Missbrauch und Selbstverletzung schrieb. Und zwar auf einer neuer installierten App, auf der ich nicht bedacht hatte, dass die Person dort nicht blockiert ist. Es scheint mir, als würden toxische Menschen durch jedes noch so kleine Loch kriechen, was sie finden können. Es holte altes Erleben hoch. Ich suchte Hilfe bei der Pflege und sollte zwei Protokolle darüber schreiben. Hier war so ein Ausnahmezustand mit Suizid-Gedanken, welche mit Selbstverletzung endeten. Komischerweise steht dieses Verhalten im Zusammenhang mit dem Kontakt mit ihm und ist sonst eigentlich kein Problem. Ich bin wütend und schäme mich, dass es wieder zu Selbstverletzung gekommen ist. Das erste Mal seit einem Jahr. Ich versuche aber ruhig zu bleiben und nicht zu sehr ab zu werten. In diesem Sinne schicke ich positive und versöhnliche Gedanken.

Trigger im Psychiatergespräch

Aufgrund meiner starken Vulnerabilität und Reaktionen im dem Visite-Gesprächen in Form von Wut und Kränkung als mir verboten wurde Kuscheltiere öffentlich bei mir zu haben und mir erneut Medikamente angeboten wurden, die ich schon mehrfach mit Begründung ablehnte, sah mein Psychiater ein neues Diagnosefeld, das er bei mir erforschen wollte.

Es war gestern unser letztes Gespräch und er begann zu fragen ob ich jemand bin, der denkt alles besser als Andere zu wissen, ob ich nach Ruhm und Anerkennung strebe, ob ich wenig Empathie besitze und ob ich meinem Umfeld schade. Während dieser Fragen wurde ich stark getriggert, denn es sind Diagnose Kriterien zu Narzissmus.

Es ist so ein massiver Trigger, da Täter aus der Vergangenheit mit hoher Wahrscheinlichkeit narzisstisch sind und mir immer wieder diese Art von Menschen in Beziehungen zum Verhängnis wurden.

Alte Glaubenssätze schossen hoch. Bilder, Intrusionen. Unfall im Kopf. Später dann Kopf gegen die Wand schlagen, verstecken und weinen. Flashbacks. Suizidgedanken. Dass es täteridentifizierte Anteile gibt will ich gar nicht leugen, doch dass ist etwas was viel Ekel und Entsetzen auslöst. Womit ich noch keinen Umgang gefunden habe. Stundenlanges Duschen um diesem Gefühl zu entfliehen und es nicht von sich abwaschen können.

Heute hatten wir ein erneutes Gespräch an das ich mich kaum erinnere. Er sagte jedenfalls dass wir einen Trigger identifiziert haben. Oh wundervoll. Und ich fühle mich durch die Art und Weise wie ein ausgekotztes Stück Scheiße.

Zwei Pfleger hatten mitbekommen was passiert ist und versuchten in Gesprächen mich zu stabilisieren. Teilten mir ihre Wahrnehmung mit, dass sie diese Diagnose bei mir absolut nicht sehen und einer entschuldigte sich im Namen des Teams, dass das passiert ist. Auch wenn ich das lieber von dem Psychiater gehört hätte war das sehr wichtig für mich. Und vor allem in meiner Not gesehen zu werden.

Worte haben solch eine Macht.

Neuzeit Liebe

Manchmal starre ich auf dein leeres Chatfenster, nur um zu sehen, dass du online kommst. Es fühlt sich ein bisschen so an als wärst du dann da. Nicht die Liebe für dich ging verloren, sondern mein Vertrauen zu dir. Es war und ist so schwer zu akzeptieren, dass du ein anderer Mensch bist, als du vorgabst zu sein. Deine unberechenbaren Facetten machen mir Angst. Noch mehr, die Vermutung, dass die Person, in die ich mich verliebte eine Maske war. Und so starre ich weiterhin auf das leere Chatfenster um zu sehen, wie ein Geist erscheint und wieder verschwindet. Immer und immer wieder.

Sprechen

Lange Zeit war mir nicht bewusst dass ich lisple und als mir jemand von Außen das sagte und ich es selbst bemerkte, war das ein großer Schock. Es ist ein leichtes Lispeln. Mal mehr – mal weniger stark ausgeprägt. Es gibt Situationen, in denen ich so stark lisple und vorher es so gut wie gar nicht tat. Im Kontakt mit meiner Mutter fing ich häufig auch noch an leicht zu stottern, Sätze zu verschlucken oder immer leiser zu werden.

Vorhin sprach ich mit meiner Zimmer Mitbewohnerin in der Klinik darüber und sie sagte dass ich an einem Tag mal so leise geredet hätte, dass sie mich kaum verstand. Ich selbst nehme das gar nicht wahr und war sehr überrascht. Sie überlegte des Weiteren, ob mein Lispeln eine psychische Ursache haben könnte. Meine große Schwester hat den gleichen Sprachfehler, wodurch mir das als Erklärung plausibel erscheint.