Informationssuche zur Existenz von Anteilen

Ein Anteil hat vor einigen Wochen (waren es Wochen? Mein Gefühl für Zeit ist grauenhaft) eine Schweigepflichtsentbindung unterschrieben, damit meine Therapeutin mit der Leitung der Skillsgruppe am Telefon sprechen konnte. Es ging um die momentane Situation mit einigen Mitpatienten der Gruppe, die mein System massiv triggern. Sie erklärte der Leitung genau welches Verhalten der Personen bei mir etwas auslöst und woher das kommt. Über das „woher“ hatte auch noch nicht so richtig nachgedacht, merkte nur die zunehmenden Dissoziationen. Die Zuspitzung war, dass ich mich im Nebenraum auf den Boden legen musste, da Innen alles auf „Error“ stand. Sie unterhielten sich in diesem Telefonat auch noch über die Situation mit der Traumatherapeutin der Imaginationsgruppe. Meine Therapeutin nutzte die Gelegenheit um ihre Vermutung Richtung dissoziativer Störung zu äußern. Zu meiner großen Überraschung sagte die Leitung der Skillsgruppe, dass sie das nicht ausschließt und das auch einiges erklären würde. Bzw. Verhalten von mir, da das wohl schon sehr anders ist. Puh okay, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Die Gruppenleitung kennt mich jetzt schon fast ein Jahr und erlebt mich auch in einer Gruppendynamik. Irgendwie bin ich gerade froh, dass die Schweigepflichtsentbindung unterschrieben wurde, denn es brachte nur Vorteile mit sich. Ich finde es auch schön, wenn sich mein äußeres Helfersystem abspricht. Meine Therapeutin sagte abschließend zu mir, dass wir auf jeden Fall als Fakt festhalten können, dass es bei mir abgespaltenere Anteile mit eigenen Erleben gibt. Von mir kam darauf nur ein nervöses Kichern und ein rausgequetschtes „Ja.“ Ein Freund, dem das Thema nicht fremd ist und der selbst Borderline hat, sprach mich bei unserem letzten Treffen darauf an, dass es Unterschiede in der Art wie ich spreche gibt. Auch wenn diese sehr fein und nicht extrem auffällig sind. Auch dass meine Mimik manchmal ein Eigenleben führt, wenn ich mich anscheinend unbeobachtet fühle. Das waren auch ganz interessante Informationen. Von Gesichtsentgleitungen hab ich noch nichts gehört. Ich halte mich immer für sehr kontrolliert.

Oh und noch eine kleine Anmerkung: Seit dem Vorfall in der Imaginationsgruppe habe ich mich dort abgemeldet und sehe es als gute Entscheidung. Die andere Gruppe zu der ich weiterhin regelmäßig gehe ist die Skillsgruppe.

Seit einigen Tagen

Vor einer Woche noch bin ich singend und tanzend herum gelaufen. Seit einigen Tagen komme ich kaum noch aus den Bett. Die großen grauen Wolken vor meinem Fenster sind in meinen Kopf eingezogen. Sie verregnen die Sicht. Erst kam das schlechte Körpergefühl, da hatte ich noch Kraft für Aktivitäten und dann fiel ich in ein tiefes Loch. Ich weiß nicht warum, oder wie ich es dort wieder heraus schaffen soll. Meine Erfahrung sagt mir, dass ich das schon sehr oft erlebt und wieder heraus geschafft habe. Gerade fühle ich mich zu müde von dem ständigen Kampf. Zu müde um wieder aufzustehen. Wenn ich mich hinlege überrollen mich Flashbacks und Erinnerungen. Keine Chance dem zu entfliehen. Ein Kanal wurde geöffnet und alles strömt ungefiltert auf mich ein. Selbst wenn ich schlafe besuchen mich in diesen Träumen unterschiedliche Menschen, die zeitlich nichts miteinander zu tun hatten. Parallele Flashbacks in einem Traum. Mein Gehirn schreit.

Gestern sagte mir jemand, dass es ihm so leid tut, dass ich schon seit einem Jahr erkrankt bin. Das ist die Zeit, in der ich gerade keiner beruflichen Tätigkeit nachgehe. Erkrankt, wenn man es so nennen will, bin ich schon so viel länger. Mein Gehirn katapultierte mich zurück in die Zeit, in der ich anfing deutlich Verhaltensauffällig zu werden. Dann sprang es nur noch in den Zeiten hin und her. Ich weiß gerade nicht, was mit mir los ist, oder was mit mir passiert.

Was ich weiß ist, dass dieser Zustand furchtbar schmerzhaft ist. Meine Psyche schreit um Hilfe.

Die Schwierigkeit der Nahrungsaufnahme

Gerade, mit diesen Bauchschmerzen und dem Körpergefühl habe ich keinen blassen Schimmer wie ich es geschafft habe mich die letzten Wochen zu ernähren. Mehr schlecht als recht, aber das Gewicht wurde gehalten. Damit habe ich ein Problem. Und zwar ein gewaltiges. Allein das Gefühl eines gefüllten Magens ertrage ich kaum. Nun sitze ich hier und muss das aushalten. So schlimm wie gerade war das lange nicht mehr. Vielleicht auch, weil ich den Körper einfach gar nicht mehr fühlte. Warum muss Nahrungsaufnahme immer noch so ein Kampf sein? Immer noch dieses Lügen darüber, dass alles gut läuft, aus Angst doch wieder einmal in der Klinik in einer Essgruppe zu landen, was alles nur verschlimmert. Es ist bei mir so, als würde essen all meinen Schmerz zurück holen. Wenn ich nicht esse fühle ich mich leichter. Dadurch ist die Dissoziation dann allerdings stärker. Also wird gegessen. Ich fühle mich so ekelhaft wie schon lange nicht mehr. Hört dieses ständige Thema „Essen“ je auf? Wieso kann ich nicht einfach essen? Immer wieder ist es so ein Streitpunkt innerlich. Die Entscheidung gesund leben zu wollen und dann nicht damit zurecht zu kommen, welche Gefühle das „genug essen“ wieder herauf befördert. Ich kann und will diese Gefühle nicht ertragen müssen. Diesen Körper nicht fühlen. Es ist einfach zu viel.

An den Mann, der mich heute über den Haufen lief

Mit ohnmächtiger Wut über diese Situation schreibe ich Ihnen. Sie liefen schnell zur S Bahn und wollten sie noch erwischen. Dabei war es Ihnen ganz gleich, dass noch Jemand vor Ihnen ging. Anstatt einen Schritt zu Seite um mich zu herum zu gehen, sind Sie von hinten voll durch mich durch gelaufen. Das hat aber noch funktioniert und sie traten auf einen Widerstand: Meinen Körper. Anstatt sich über diesen Zustand zu entschuldigen, da es ganz klar eine Grenze überschritt, sind sie weiter gelaufen, mich vor Ihnen her schiebend, sodass ich auch laufen musste und dann zur Seite auswich.

Ich atme. Ich fühle. Ich existiere.

In diesem Moment war ich wie versteinert, was leider meine gelernte Reaktion auf grenzüberschreitendes Verhalten ist. Jedoch hätte ich sie gerne zur Seite geschubst, eine Arme länge Weg von mir. Denn genau das ist der Radius, der meinen persönlichen Raum auszeichnet. Eigentlich sogar zwei Armlängen bei Fremden. Ich starrte in die S Bahn. Dort hatten Sie sich einen gemütlichen Platz gesucht und starrten auf ihr Smartphone. Sich keiner Schuld bewusst und ich fragte mich, ob sie überhaupt gerade gemerkt haben, dass ich dort im Weg stand.

Ich wollte weinen und schreien. Konnte es aber nicht. Es ist nicht okay den Körper von Jemandem zu behandeln als würde dessen Existenz unwichtiger sein als Ihre. Ich bin kein Objekt, das man als solches beliebig behandeln kann. Die nächste Bahn wäre in vier Minuten gekommen. Vier Minuten.

Alles was ich wollte war Liebe

Heute kommt die Erinnerung an ein Gespräch mit meinem Vater. Der Einäugige unter den Blinden, wie meine Therapeutin ihn nennt. Wir saßen in einem Café und ich kann mich nicht mehr an das Gespräch als solches erinnern, doch sagte er mir, dass er irgendwann aufgegeben hat mir helfen als ich suizidal war und sich zurück gezogen hat. Ich frage mich, wann das genau war. Früher saßen wir zu dieser besagten Zeit einmal wöchentlich im Café, Kontrolltreffen ob ich noch lebe, bei diesen Treffen konnte ich kaum reden, nicht zuhören, trank meinen Kaffee schwarz und rührte mit einem abwesenden Blick in einem Zuckerglas herum. Der Körper zierlich und blass, dunkle Ringe unter den Augen. Wann hat er entschieden, mich aufzugeben? Mich sterben zu lassen, wenn man so will. Was allerdings stimmt ist, dass meine Eltern mir nie hätten helfen können. Meine Mutter interessierte sich sowieso nicht für mich, ob tot oder lebendig. Mein Vater wollte mir immer Essen kaufen, so wie er früher schon die Konflikte löste, nachdem mich meine Schwester wieder einmal in einer Tür eingequetscht und geschlagen hatte. Ich wollte kein Essen, ich wollte einen Vater, dem es nicht egal wäre, dass ich sterben könnte. Heute sitze ich hier, mit dem Gedanken an diese Erinnerungen und frage mich wie man sein Kind auf der Schwelle zum Suizid aufgeben kann. Zu dieser Zeit zog ich in eine drei Stunden entfernte Stadt. Weit genug weg um wieder Atmen zu können. Meine Schwester dachte damals, um zu sterben. Niemand sprach mit mir darüber. Doch ich tat es, um mein Leben zu retten.

Simulantin

irgendwie schaffte ich es dann doch noch trotz Desorientierung und destruktiver Gedanken im Kopf heile zu Hause an zu kommen. Etwas in mir tut so sehr weh. Der Schmerz ist kaum aushaltbar. In der Imanginationsgruppe wurde heute die ganze Zeit von kindlichen, oder emotionalen Anteilen berichtet. Eine erzählte, dass die Übung ihren kindlichen Anteil total angesprochen hatte. Etwas in mir rumorte. Haben hier alle Anteile? Ich frag mal besser nach. Nach der Gruppe fragte ich die Therapeutin und sie erklärte mir, dass jeder Persönlichkeitsanteile hat, sie selbst ja auch. Okay, ja das kann sein. Hm und sind die dann bei allen auch mit einem eigenen Erleben und Innen präsent? Ich erzählte ihr davon, dass meine Therapeutin überlegt für die Therapieverlängerung DIS anzugeben. Die Gruppentherapeutin starrte mich an und sagte, das sehe sie bei mir überhaupt nicht, weder hat sie bei mir einen Switch gesehen noch von dem was ich erzählt habe geht sie davon aus und ich könnte meiner Therapeutin auch sagen, dass ich das nicht will. Die Gruppentherapeutin kennt mich aus zehn Beratungsterminen, die ich vor ungefähr einem halben Jahr bei ihr hatte. Ich sagte ihr, dass ich es aber schon als mehr abgespalten wahrnehme wie DSNNS oder Ego States. Sie sagte dazu nichts. Irgendwas in mir kippte. Mein Herz verkrampfte sich und ein Schmerz durchbohrte mich. Ich bedankte mich für das Gespräch und verabschiedete mich schnell. Die Gedanken auf dem Rückweg waren „Ich bin eine Simulatin, die sich einredet und auch eingeredet bekommt sie hätte sowas und dann das jetzt sagt, wie dumm und peinlich ist das denn. Dabei stimmt es gar nicht, hat die ja selbst gesagt und die ist ja auch Traumatherapeutin. “ Mir ging es zunehmend schlechter auf dem Rückweg. Irgendwas wurde enorm angetriggert. Meine Freundin rief mich glüclicherweise an und lotste mich nach Hause. Dort weinte ich und weinte und weinte. Da sträube ich mich immer dagegen und dann öffne ich mich und berichte, was meine Therapeutin so bei mir sieht und es stimmt gar nicht. Ich werde nie wieder darüber sprechen. Das ist einfach zu peinlich. Und zu der Gruppe gehe ich auch nicht mehr.

Meine Freundin sagte, dass ich im Alltag ja ganz anders wirke als das was noch so abgeht. Dass es vielleicht gerade wieder getriggert hat, dass wieder nur das gesehen wird, was die Oberfläche zeigt. Darauf konnte ich nur nicken und noch mehr weinen.

Schnitte (potentiell triggernd)

Mir wird auch heute wenn ich meinen Arm schaue klar, dass ich noch nicht realisiert habe, vor einem Jahr passiert ist. Halt, war das letzte Jahr? Gut möglich, dass es etwas weiter zurück liegt. Das kann ich nicht gut einordnen. Zu dem Zeitpunkt lebten wir noch mit einem Partner zusammen, mit dem wir eine on/off Beziehung fünf Jahre lang führten mit häufigen Trennungsversuchen. Er, mit narzisstischen Anteilen, gab sich nach Außen als unser Retter aus. Das war seine Identität, die er um jeden Preis behalten wollte. Später tauchte er in einem unserer Beiträge als Täter in Bezug auf sexuellen Missbrauch auf. Das „V“ Wort wird hier nur selten benutzt, weil es triggert. Das trifft aber zu. Umschreibungen helfen aber, diesen Beitrag überhaupt zu schreiben. Was während der Beziehung vorherrschend war, war verbaler und emotionaler Missbrauch. „Klein halten“ damit ich bei ihm bleibe. Dazu bediente er sich zum Beispiel an meinen Glaubenssätzen und meine Psyche war für ihn eine ausgebreitet Karte, auf der er alle Wege kannte, denn er hatte sie genauestens studiert. Als wir in die neue Stadt zogen, kam er mit und saß auch im Kolleg jeden Tag mir. Dort lernte ich meine jetzige beste Freundin kennen, die den Missbrauch irgendwann erkannte und den Umzug für uns machte, während wir in der Klinik waren. Sie half bei der Trennung und dabei zu trennen was er mir nur einredete. Es ist komisch das zu sagen, aber für uns war er Vaterersatz. Besonders kindliche Anteile waren viel bei ihm. Ich weiß auch nicht richtig warum genau. Zwischen uns gab es jedenfalls nur viel Streit. Als ich mich trennen wollte kam es dann zu solchen verbalen Attacken, dass es bei uns selbstverletztendes Verhalten auslöste. In Form von Schnitten in den Arm, was eigentlich keines meiner Verhalten ist. Ich realisierte auch die Schnitte erst später wenn sie schon „versorgt“ und verbunden waren. Der Zustand in dem ich dort war kann ich nicht gut nachempfinden und ich dachte eine Art Dämon wäre in mir, der mich das machen lässt und mich töten will. In dieser Geistesverfassung bin ich auch in die Klinik gekommen. Ich dachte, nun würde ich endgültig verrückt werden. Also so Horrorfilm verrückt. In der Klinik kam das erste mal das Thema Persönlichkeitsanteile auf, nachdem ich schilderte was alles passiert war. Die Schnitte sind für mich auch jetzt noch fremd. In meiner Abschlussrede in der Klinik widmete ich es diesem Anteil mit dem destruktiven Verhalten. Da verstand ich noch nicht genau, was das alles bedeutete.

„Du hast mich mehr als zehn Jahre durch die Hölle geführt. Du hast mich auf alle erdenkliche Weisen verletzt und gequält. Du hast mich körperlich und emotional verhungern lassen und mir Wunden zugefügt. Unberechenbar, jenseits aller Grenzen. Wie ein Biest, das aus seinem Käfig ausbricht Du bist der Gegner in mir, den ich immer wieder versuchte erfolglos zu bekämpfen. Du bist Freund und Feind gleichermaßen. Denn du bist ein Teil von mir. Ein Teil, der mir hilft, den Schmerz zu ertragen. Vielleicht hilfst du mir immer wieder auf’s Neue zu überleben. Ich möchte lernen mit dir zu leben. Dich auslöschen oder bekämpfen kann ich nicht. Du bist Teil des Teams und deine Kraft können wir positiv nutzen um mich besser zu schützen. Mit mir, statt gegen mich. Hier und jetzt an dieser Stelle möchte ich dir sagen: Ich vergebe dir.“

Mama

Du meinst du wünscht mir die Dinge, die du mir 25 Jahre nicht zeigen konntest? Mir tut es nicht gut jetzt so etwas zu lesen und ich habe auch nicht das Gefühl dass du mich liebst. Das zu lesen tut nur weh und reißt Wunden in mir auf.
Mir geht es besser wenn wir keinen Kontakt haben. Du musst dich auch nicht verpflichtet fühlen mir so etwas zu schreiben. Ich habe keine Erwartungen mehr.

An dem Tag an dem es um mich gehen sollte höre ich von meiner Schwester wie schlecht es dir geht und dass ich Mitgefühl haben sollte. Dass du selbst ein Opfer bist. Das kann schon sein.
Du hättest dir schon vor langer Zeit Hilfe holen sollen. Ich bin jeden Tag mit dem Ausmaß meiner Traumatisierung konfrontiert und du hast nie gefragt was mit mir passiert ist. Vielleicht hat es dich nicht interessiert. Vielleicht warst du einfach zu sehr mit dir beschäftigt. Ich weiß es nicht. Ich hätte dich jedenfalls gebraucht.

Ich wünsche dir nichts böses und dass du irgendwann die Hilfe bekommst, die du brauchst.

Bitte antworte nicht.

25 Jahre überlebt

Ein Meilenstein für mich, die nicht einmal dachte die 15 zu erreichen. Erst recht nicht die 20 und schon gar nicht die 25. Innerlich fühle ich mich heute wund. Ironischerweise ist heute auch Tag der psychischen Gesundheit. Meine Freundin hat mir eine Höhle gebaut, in der ich mich heute zurück ziehen kann, wenn mir alles zu viel wird. Was es an Geburtstagen meistens der Fall ist. Die Astrid Lindgren Filme liegen auch schon bereit um das Innen zu trösten. Die Elternwunde schmerzt an diesem Tag besonders. Ein Fakt, der nicht weg zu wischen ist. Gerade kam eine Nachricht meiner Mutter uh, Trigger. Gut, dass ich diese Höhle habe und eine Freundin, die genau weiß was ich brauche. In mir kommt gleich der Vorschlag dieser „Fotze“ zu schreiben, sie soll das mal stecken lassen, dass ich das gerade nicht annehmen kann, da unser Kontakt einfach so gestört ist. Sie schreibt „mein schönes Baby“ und innerlich schüttelt es mich. So schlecht ist die Idee ihr das zu schreiben nicht. Sie wollte mir ja ein Päckchen schicken, sei aber seit langem zu krank um das Haus zu verlassen. Ist es kaltherzig zu sagen, mein Mitleid hält sich in Grenzen? Früher schrieb sie Postkarten mit Nachrichten, die eine liebende Mutter geschrieben hätte. Ich habe unter meinem Bett eine ganze Sammlung dieser Karten, die jedes Mal in mir auslösten „hey vielleicht, liebt sie mich ja doch!“ Mittlerweile ist es nur ein Haufen Karten und gedanklich lege ich ihre heutige Nachricht dazu. Es fühlt sich immer eher an als würde sie am Geburtstag das tun, was eine Mutter eigentlich tut. Vielleicht macht sie das aus einem Pflichtgefühl. Wer weiß das schon. Im realen Leben, fern von diesen Postkarten, ist sie es seit 25 Jahren für mich nicht.

Um wieder zu mir und meinem „25 Jahre schon überlebt zu haben“ zu kommen. Zurzeit bin ich wirklich hoffnungsvoll gestimmt. Ich habe ein Umfeld, in dem ich mich ernst genommen, geliebt und gesehen fühle. Mit normalen Konflikten, die mir immer noch Angst machen, mit denen ich aber lerne umzugehen. Die Hilfe, die wir zur Zeit haben könnte nicht besser sein. Der Therapieplan für die nächste Zeit ist aufgestellt. In einigen Wochen habe ich auch einen Termin bei einer Sozialberatung, die sich mit „Fällen“ wie meinem auskennen. Ich habe auch schon eine Idee in welche Richtung ich beruflich gehen möchte, wenn das alles überstanden ist. Ja, hoffnungsvoll ist wirklich das richtige Wort.

Gestern nach der Therapie hätte ich mich sofort auf den Boden legen und einschlafen können. Dabei hatten wir erst zwei Punkte von den Acht auf meiner Liste abgearbeitet. Gleich zu Anfang ging es um die Therapieverlängerung die jetzigen Stunden laufen unter komplexer PTBS und Borderline. Sie sagte es wäre eventuell erforderlich für mehr Stunden noch eine neue Diagnose aufzunehmen. Ich sagte eine Panikstörung würde ja auch passen. Man könnte sich ja an meinen einzelnen Symptomen bedienen. Sie sah mich an und sagte sie hätte eher daran gedacht dann DIS zu nennen. Schluck. Damit war das Thema wieder eröffnet. Geschickt gemacht. Ich erzählte ihr von den neusten Erkenntnissen dazu. Sie meinte der einzige Punkt, der bei mir für die Diagnose fehlt wäre dass es keine Namen gibt. Ich nannte dann noch dass es auch keine großen Amnesien gibt und ich deswegen immer noch von Ego States ausgehe. Und wenn schon dann eher DSNNS. Sie sagt ich war jetzt eine längere Zeit ja auch gar nicht mehr offen für das Thema und wollte nichts davon wissen und dass wir in Ruhe noch gucken, was genau alles da ist. Es gibt auch unzählige Entwürfe auf dem Blog und Erinnerungen die aufgeschrieben wurden. Ich spiele mit dem Gedanken ihr einiges davon zu zeigen. Ich frage mich auch wie ich mittlerweile so viele unterschiedliche Diagnosen haben kann.

Gestern gab es noch verschiedene Gedanken zu dem heutigen Tag und Kinderfilmen hab ich absolut zugestimmt. Einer war aber auch und das ist an jedem Geburtstag so, dass es doch ein Geschenk an mich wäre den ganzen Tag nichts zu essen. Das hat mich wieder total verunsichert, da heute Abend ein Besuch in meinem Lieblingsrestaurant geplant ist, auf den ich mich schon freue. Ich denke, dass es ein Versuch ist, mit den Emotionen an diesem Tag umzugehen. Ich nehme das auf jeden Fall wahr und welche Not wahrscheinlich eigentlich dahinter steckt in Form von Emotionen. Gegessen wird aber trotzdem! Muss ja keine Torte sein. Damit bin ich auch okay. Bereit für Kompromisse, damit es zu keinem Zusammenbruch heute kommt.

Happy Birthday to me!

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