I’m a cyborg, but that’s ok.

Ab heute werde ich zwei Wochen für die Diagnostik in eine Klinik gehen. Ich bin gespannt welche neuen Eindrücke ich diesmal mitnehme. Ich hoffe auf Hilfe… auf Hilfe mit mir und meinem Robotermodus. Zurzeit könnte ich nicht viel erzählen, wenn mich jemand nach Trauma fragt. Ich hoffe, ich kann dort wenigstens meine Batterien wieder ein bisschen aufladen.

 

 

 

Die Müdigkeit in meinem Inneren

Diese besondere Art der Müdigkeit, die einen ganz plötzlich überfällt. Wenn das Gehirn so überfordert ist, dass es den stand-by-Modus von selbst als am sinnvollsten erachtet. Wie vor einem Jahr in der Klinik während der Körpertherapie, als ich zuerst im stehen dissoziierte und dann den Raum verließ, um mich auf den Boden zu legen und für zwei Stunden in einen schlafähnlichen Zustand verfiel. Etwas ähnliches überfiel mich gestern, nachdem ich in der Skillsgruppe bei der zuständigen Leitung versuchte zu erklären, dass ich mich nach einer verbalen Attacke einer Person dort und den Aggressionen in der Gruppe, nicht mehr sicher fühlte. An dem Tag legte ich mich auch in dem Nebenraum auf den Boden, während die Person in der Gruppe weiter herum schrie. Für sich einzustehen nach solchen Situationen ist fast noch anstrengender als die Situationen selbst auszuhalten. Ich kann mich dann nur noch hinlegen und bin wie weggetreten. Wenn ich erwache bin ich zerstreut und muss mich erstmal orientieren, wo ich überhaupt bin. Manchmal, so wie gestern, kommen Schmerzen dazu, wie die Gliederschmerzen einer Grippe. Ich frage mich ob es Körpererinnerungen sind, die über mich hinweg spülen, oder ob mein Körper ein einziger angespannter Krampf ist und deswegen jede Faser schmerzt.

Gegen diese Art von innerer Müdigkeit hilft auch kein Kaffee.

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Die Ruhe nach dem Sturm – wie geht es nach einer Trennung weiter?

In den letzten Tagen nehme ich eine Stille wahr, die ich zu keinem Zeitpunkt der Beziehung je hatte. Es gab immer Dramen und den großteil meiner Energie steckte ich in die Arbeit an der Beziehung. Energie, die ich dann weniger für die Arbeit an meinen Themen hatte. Es war eine gute Ablenkung in der Gegenwart. Ich könnte nun wütend darüber sein, dass mir gerade nichts mehr bleibt außer dieser Stille, das bin ich aber nicht. Nach meinem ermessen habe ich getan, was ich konnte, bis ich an Grenzen stieß, bei denen ich einfach machtlos war. Diese Beziehung war anders als die Missbräuchlichen davor, auch wenn ich mich wieder zu einem ähnlichen Typ Mensch hingezogen fühlte, es war „das wenigere Übel“ aber nach wie vor mein Muster. In dieser Beziehung habe ich gelernt gegen die Vorprägungen durch meine Eltern anzukämpfen. Sie brachte mir im letzten Jahr enormes Entwicklungspotential und wird mir vielleicht auch in Zukunft helfen Beziehungen mit Menschen anders zu führen.

Als ich gestern bei meiner Therapeutin mit den Tränen kämpfte, sagte ich ihr etwas, das ich mir in den folgenden Monaten gerne immer wieder ins Gedächtnis rufen möchte. Zurzeit und auch in nächster Zeit habe ich kein Interesse daran Männer kennen zu lernen. Es wäre selbstverletzendes Verhalten, denn meine Psyche ist gerade nicht bereit zu vertrauen und ich denke auch, dass ich nach wie vor Männer noch nicht gut einschätzen kann. Vermutlich würde ich gleich dem nächsten Mann mit narzisstischer Persönlichkeitsstruktur die Hand reichen. Das ist wichtig für mich zu realisieren. Meine Therapeutin machte mir Mut, dass die Traumatherapie auch das verändern könnte. In dem kommenden Jahr würde ich gerne herausfinden welche Beziehung ich immer wieder reinszeniere. Dazu gibt es schon einige Vermutungen.

Mir wurde gestern als ich alleine in meinem Zimmer war, bewusst wie sehr sich meine Gedanken um die andere Person gedreht haben. Dass ich mich selbst dabei immer mehr verdrängt habe. Momentan bin ich wieder einmal davon überzeugt, dass sowas wie Persönlichkeitsanteile nicht existieren und ich auch nichts mehr Innen spüre. Hey, an dem Punkt war ich doch schon mal! Es gab aber auch Zeiten in denen ich offener dafür war. Vielleicht ist es eine Art Schutz zu leugnen und gerade wieder vieles abzuspalten. Der Verlust der wichtigsten Bezugsperson braucht gerade meine gesamte Aufmerksamkeit. Das bekommt nun Raum und Zeit. Das Andere wird ja in der Zeit nicht verschwinden. Ich kann mich nur nicht um alles gleichzeitig kümmern. Deswegen erlaube ich die Abspaltung und Distanzierung von den anderen Themen.

Was mache ich denn nun mit all der Zeit für MICH? 

Ich habe nun Zeit um die Bilder zu malen, die ich schon seit langer Zeit im Kopf habe. (Keine Traumainhalte) Freundschaften wieder aufzunehmen, oder neue Frauenfreundschaften zu knüpfen. Die Energie möchte ich in die Beziehung zu meinen Schwestern stecken, die auch nichts unkompliziert, für mich jedoch sehr wertvoll sind. Nun habe ich Zeit um meinen Körper wieder mehr wahr zu nehmen, was sicherlich auch nicht leicht wird. In meiner Bücherkiste haben sich in dem letzten Jahr einige Bücher angesammelt, die ich lesen wollte.

Paranoide Vorstellungen

Ich weiß nicht wie ich das anders sagen soll, aber ich habe wirklich große Angst den Verstand zu verlieren.

Der Zusammenbruch hat sich schon seit einiger Zeit angekündigt. Nichts fühlen und alles abspalten ist immer ein zielsicherer Indikator dafür. Normalerweise kommt das dann einige Wochen später und äußert sich in viel heulen und sterben wollen. Davon ist immer noch keine Spur und meine Mimik ist nach wie vor eingefroren. Spontan besuchte ich den Mann, mit dem ich vor kurzer Zeit noch eine Beziehung führte und ungefähr zwei Tage spielten wir heile Welt. (wie geht das?) Jede Nacht hatte ich schon absurde Albträume von noch weiteren Lügen und Betrug. Gestern Morgen artete es dann aus und ich durchsuchte seine ganze Wohnung und seinen Computer nach hinweisen darauf. Jedes Detail schien in meinem Gehirn ein noch schlimmeres Bild zu ergeben. „Wer nichts zu verheimlichen hat, löscht doch nicht so viel?“ Ich packte meine Tasche und fuhr geistesabwesend zum Bahnhof. In meinem Kopf hatte ich die wildesten Verschwörungstheorien. Der Mann versuchte in der Zeit mich zu erreichen und suchte alles ab. Nach vier Stunden im Reisebus war ich wieder „klarer“ und brachte den Körper irgendwie den Rest der Reise nach Hause. Alles tat weh und die Gedanken im Kopf wurden wieder schlimmer. Nachts hatte meine beste Freundin wieder Besuch und ich verschanzte mich vor dem „Eindringling“ am anderen Ende des Zimmers und traute mich nicht mehr ins Badezimmer. Was genau die Gedankengänge da waren weiß ich nicht, aber es kamen immer wieder paranoide Vorstellungen und komische Wahrnehmungszustände. Innerlich bin ich heute wie ausgebrannt und fühle immer noch nichts. Trotzdem bin ich froh, dass der erste Impuls war nach Hause zu fahren.

Notiz an mich selbst

Nie dachtest du, du würdest 24 Jahre alt werden. Doch du bist es geworden dieses Jahr. Du hast es bis hierher geschafft und überlebt. Dein Herz tut in diesen Tagen vielleicht weh und es ist auch immer noch schwer, doch es schlägt einfach weiter. Jeden Tag zu jeder Stunde, Minute und Sekunde. Du hast überlebt, auch wenn du in den letzten Jahren schon einige Male dachtest, du könntest die Erinnerungen und den Schmerz nicht mehr ertragen. Du hast es ertragen und dir ein Hilfssystem aus verschiedenen Therapeuten gebaut. Es gibt deine Therapeutin, die ein Glücksfall war, M. von der Beratungsstelle Lara, die du bei Krisen immer anrufen kannst und die bald mit dir und einer Gruppe Imaginationsübungen machen wird, Der Krisendienst, der dir immer geholfen hat, wenn es so richtig unaushaltbar für dich allein war und dann ist da noch die anstrengende Skillsgruppe, in der du lernst dich mehr von den schwierigen Leuten abzugrenzen und Skills anzuwenden, das was du dort gelernt hast, hat dein Leben stark beeinflusst. Mittlerweile hast du eine beste Freundin, eine große Schwester, mit der du ein inniges Verhältnis hast und diesen Sommer hast du dich mit deiner kleinen Schwester versöhnt, die nun bereit ist deine Seite zu sehen. Ich weiß, es fällt dir schwer das positive in den schlechten Tagen zu sehen, doch es passiert ganz viel, die ganze Zeit. Du hast gelernt Beziehungen zu halten und neue aufzubauen. Sie nicht aus Angst zu zerstören. Diesen Sommer lagst du im Bikini am See und bist sogar geschwommen, obwohl du Angst hattest zu ertrinken. Versuch immer wieder, genau für solche Momente zu kämpfen. Und auch wenn Menschen dich enttäuschen oder gehen, dann trägst du immer noch die Fähigkeit in dir zu wachsen und zu überleben.

Du BIST nicht allein. Du hast diese drei Frauen in deinem Leben, denen du vertraust, ein therapeutisches Hilfssystem, das dich fängt, wenn du nicht mehr kannst und das innere System, das sowieso immer da ist.

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Ich bin es leid zu leiden

Mein Vertrauen ist diese Woche zerbrochen, als ich herausfand, dass mein Partner fremdgegangen ist. Dass er gehen wollte, versuchte es zu verheimlichen und ich die ganze Zeit dachte es läge an mir und meiner Instabilität, hinterlässt Spuren. Doch diesmal anders als gedacht. Als ich die Nachrichten fand stürmte ich aus der Wohnung und lief Barfuß über das Kopfsteinpflaster. Mit einer ausgewachsenen Panikattacke landete ich schließlich an einem großen Platz. Es passierte etwas, womit ich nicht rechnete. Menschen wurden sofort darauf aufmerksam und boten ihre Hilfe an. Eine junge Frau, zu der ich sofort vertrauen fassen konnte holte mir Wasser und setzte sich neben mich, bis die Attacke besser wurde, redete mit mir über die Situation und brachte mich anschließend nach Hause. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich den Drang mich selbst zu verletzen, viel mehr meinen Partner, der mich belogen hatte. Das war neu, denn sonst gab ich mir doch die Schuld?

An diesem Tag war ich zuvor bei meiner Therapeutin, die mir Mut machte ich SEI auch momentan beziehungsfähig und dass sie meine Entwicklung um die Beziehung kämpfen zu wollen als gesund ansah. Ich dachte zu diesem Zeitpunkt noch, alles würde wieder gut werden. In dieser Nacht voller Tränen und Streit realisierte ich das erste mal, dass ich nicht falsch bin. Dass ich genau so richtig bin, wie ich bin. Dass Menschen mich verletzen, betrügen, mein Vertrauen missbrauchen liegt nicht daran, dass ICH der Fehler bin, sondern SIE diese Entscheidung treffen.

Die alten Synapsenstraßen „Ich bin zu fett/zu verrückt/zu kaputt etc.“ nahm ich diesmal nicht. Ich habe für mich erkannt, dass ich einen Schatz in mir trage und in der Lage bin um Liebe zu kämpfen und Beziehungen zu führen. Das habe ich mir erarbeitet und das hat nichts mit meinem Partner zu tun. Das kann ich auch weiterhin. Ich werde nicht zulassen, dass diese erneute Verletzung das wieder zerstört. So lange habe ich gelitten und ehrlich gesagt habe ich gerade einfach keine Lust mehr dazu. Keine Lust mehr mich als das arme, missbrauchte, betrogene, verlassene, einsame Opfer zu fühlen.

Ich habe so viel schon in meinem Leben durchgestanden und auch wenn mein Herz sich gerade anfühlt, als hätte man es erneut in tausend kleine Teile zerschnitten, werde ich es auch diesmal überleben. Ich werde weitermachen und weiter kämpfen. Genau heute und genau jetzt.