Victim blaming (Triggerwarnung!)

Im nachhinein kommt es mir so paradox vor, dass du nach dem erlebten Missbrauch vor zwei Wochen zu mir sagtest: „Ich vergebe dir.“ Du vergibst mir also, dass ich in einer Situation, in der es mir sehr schlecht ging auch noch ausgenutzt wurde? Du möchtest Vergeltung für deine Freundin in Form einer Anzeige, obwohl du genau weißt, dass ich zurzeit einen Prozess psychisch nicht durchhalten würde. Auch dürfte ich zu der Zeit keine Traumatherapie in Anspruch nehmen. Um ehrlich zu sein kommt es mir so vor, als hätte jemand anderes dir dein Spielzeug weggenommen.

Ich habe dir etwas mitzuteilen. Und zwar: Mein Körper und meine Sexualität gehören mir. Selbst in schlimmen Situationen und erneuten Traumatisierungen liegt es danach an mir zu entscheiden in welcher Form ich damit umgehen möchte. Es macht mich so wütend, denn es scheint mir, als würden Männer immer nur Macht über meinen Körper ausüben wollen.

Mein Körper gehört nur mir allein.

Ich bin nicht mehr bereit zu schweigen so wie früher, doch die Reaktionen von meinem näheren Umfeld haben mich wirklich schockiert. Letztendlich wurde ich mit Vorwürfen konfrontiert wie: „Jedes dreizehnjährige Mädchen weiß was passieren kann wenn es zu viel Alkohol trinkt.“ und “ Bist du dir sicher, dass ein Teil von dir es nicht doch wollte?“ oder „Warum gehst du auch dorthin?“

Das Problem an solchen Aussagen ist, dass es den täterloyalen Anteil füttert. Missbrauchsopfer geben sich oft die Schuld für das, was passiert ist. So wie auch ich lange. Es bestärkt diesen Anteil, dass einzig und alleine ich Schuld daran trage, dass es dazu kam.

Ich bin fertig damit mir die Schuld zu geben. Eine Frau, die psychisch in einer schlechten Verfassung ist, dissoziiert, viel Alkohol getrunken hat und sagt, dass sie das nicht will ist für mich nicht schuld. Vielmehr, derjenige, der in dieser Situation noch an Sex denkt und sie schamlos ausnutzt. Vor allem wenn die geschädigte Person auch noch Schutz und Halt bei dem Täter gesucht hat, dem sie bis dahin vertraute.

Der Dämon in meinem Kopf

„Es ist zu viel. Du kannst schon so lange nicht mehr. Los spring. Spring jetzt und es ist endlich vorbei.“

Lang anhaltender Schrei.

Keine Person, die von außen zu mir spricht, sondern eine Stimme, die mir jeden Morgen Bilder zeigt. Bilder von mir, wie die S Bahn Tür, gegen die ich meinen Kopf wie fast jeden Morgen lehne und hinaus schaue, einfach aufgeht und ich falle. Wie alles binnen Sekunden vorbei sein kann. Ein suizidaler Weckruf am Morgen.

Nicht immer bekomme ich so deutliche Bilder, Befehle oder Abwertungen. Oft ist es nur ein Impuls den ich spüre. Der mich verführt Dinge zu tun, die mir schaden.